Startseite News & Trends Adieu Business! Blackberry stellt die Produktion ein.

Adieu Business! Blackberry stellt die Produktion ein.

Blackberry tot
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Tod durch Nokia-Virus: Blackberry ist faktisch Geschichte. Wie der einstige Marktführer von Business-Smartphones mit Security-Servern gestern bekannt gab, wird die hauseigene Herstellung eingestellt. Damit verabschiedet sich nach Nokia ein weiteres Urgestein aus der Handy-Historie. Künftig will sich Blackberry vor allem auf Software und Services konzentrieren.

Einst geliebt, dann verschmäht.

Es war im Jahr 2008, und ich wartete auf meinen Anschlussflug von Dulles Airport, Washington, D.C.. Ich war übernächtigt, mein Nokia N92 Mini war zuhause geblieben, und auf lesen hatte ich keine Lust mehr. Zeit genug also, einen ersten Blick auf Amerika zu werfen.
Amerika war anders als ich gedacht hatte.
Dulles Airport ist ein Schmuckstück aus einer Zeit als Atomkraft, Beton und rauchende Schlote noch als Verheißungen rasanten Fortschritts galten. Abgegriffene Kunststoffwände, trübgebrannte Neonröhren und fehlender Lack versprühten -zumindest 2008- denselben einmaligen Charme, wie ich ihn früher als Wessikind an DDR-Grenzontrollpunkten wahrgenommen hatte. Aber auch meinen Mitreisenden, offensichtlich größtenteils US-Amerikaner, war die Begeisterung über ihren Zwischenstopp schon aus dem Augenwinkel anzusehen.

Blackberry
Einst weitverbreitet, heute bedeutungslos: Der gute, alte Blackberrry.

Ablenkung war hochwillkommen: Um mich herum tippten Menschen auf Koffern, Taschen und geriffelten Metallbänken wie besessen auf taschenrechnerartigen Riesengeräten herum oder telefonierten. Ich hatte noch zuvor ein Blackberry gesehen, und hier waren sie überall. Groß und klein, jung und alt – jeder hatte eins, nur vereinzelt waren Handys anderer Hersteller auszumachen – die meisten davon in Händen von Touristen wie mir.
Nur eine kleine Episode, die aber illustriert, welchen Abstieg der einstige Big Player in denletzten Jahren hingelegt hat. Während Blackberrrys bei uns vor allem als Business-Geräte bekannt waren, hatte es der kanadische Hersteller in Übersee bis weit in den Massenmarkt geschafft.

Ende einer langen Durststrecke

Nur ein Jahr zuvor war das iPhone erschienen, und ähnlich wie Nokia hatte das Management den rasant zunehmenden Trend nicht nur einfach verschlafen, sondern regelrecht ausgesessen. So groß war das Selbstbewusstsein, das Vertrauen in die eigenen Qualitäten, dass man sich bis vor wenigen Jahren noch weigerte, die Dominanz von Touchscreen und App-Stores überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Waren 2012 noch fast 50 Millionen Geräte über die Ladentheke gegangen, waren es 2015 gerade mal noch acht Millionen. Erst 2012 war Blackberry dem Trend mit eigenen Smart-Geräten gefolgt. Und auch das eher träge und ohne erkennbaren Mehrwert gegenüber der etablierten Konkurrenz. Ein eigenes Android-Gerät folgte gar erst 2015.

Nun zieht Blackberry die Notbremse. Am gestrigen Mittwoch hat der einstige Wirtschaftsliebling angekündigt, die gesamte Herstellung von Hardware einzustellen. Stattdessen wird sich Blackberry künftig auf Software konzentrieren:

“We are focusing on software development, including security and applications. The company plans to end all internal hardware development and will outsource that function to partners”

so Blackberry-CEO John Chen bei der gestrigen Vorstellung der Quartalszahlen.

Die Fertigung wird nun an ein indonesisches Partnerunternehmen abgegeben. Während treue Kunden den Abschied der eigenen Herstellungslinie betrauern, reagierte die Börse positiv auf den Kurswechsel. Analysten sehen das Ende der Produktion eher als notwendigen Befreiungsschlag, um noch vorhandene Ressourcen auf einträglichere Marktsegmente zu konzentrieren. Zum verbleibenden Kerngeschäft gehören vor allem Services rund um Nachrichten und Datensicherheit. Damit betreibt nach Microsoft ein weiterer Hersteller den Abschied vom klassischen hin zu einem Anbieter von Services für Geräte anderer Produzenten.

Günstige Trösterchen finden eingefleischte Blackberry-Fans natürlich auch bei uns:

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Kommentare (1)

  1. John Chen hat schon bei seiner vorherigen Firma (Sybase Inc.) alles das abgestoßen, was nicht in kurzer Zeit Gewinn gemacht hat. Zuletzt hat man Technologie durch Übernahmen eingekauft oder deren Entwicklung vom Kunden bezahlen lassen. Jetzt ist halt die Hardware dran und weitere Bereiche werden folgen, bis nur noch ein kleiner profitabler Teil bleibt, der dann von einem Großen übernommen wird, halt Sybase II

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