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Die Roboter kommen!

Foxbot
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Es ist noch gar nicht lange her, da machte die große Politik von sich reden – in der Smartphone-Welt. Es schien, als hätte Amerikas künftiger Präsident Donald Trump Apple davon überzeugt, die Fertigung seiner Smartphone-Ikone iPhone in die Vereinigten Staaten zu verlagern. Nun zeichnet sich ab, warum Apples Auftragsfertiger kein Problem damit haben: Sie setzen auf Roboter statt auf menschliche Arbeiter.

Apples größter Auftragshersteller Foxconn hat seit jeher ein ganz eigenes Maß für den Wert menschlicher Arbeitskraft. Geschichten über Lohnausbeutung und Arbeiter, die ihrem prekären Dasein aus Verzweiflung auf dem Werksgelände ein selbstgewähltes Ende setzten, beantwortete der chinesische Mega-Hersteller bereits 2010 lapidar mit dem Aufspannen von Fangnetzen.
Seither hat sich einiges auf dem Markt getan, nicht ausschließlich zum Vorteil der Arbeiterschaft wohlgemerkt; nach Jahren weltweit wachsender Absätze ist das Smartphone-Business in eine Phase dümpelnder Sättigung eingetreten – selbst auf den so wichtigen Schwellenmärkten folgen die Menschen nicht mehr jedes Jahr dem Impuls zum Upgrade. Moderne Smartphones sind einfach zu gut geworden, um sie regelmäßig austauschen zu müssen. Was gut ist für Nutzer, ist schlecht für Hersteller, denn immer noch gilt: Nur Wachstum ist Fortschritt.
Was aber tun Unternehmen, wenn Gewinne nicht mehr durch schieres Breitenwachstum skalierbar sind? Richtig, sie rationalisieren! In Zeiten steigender Energiepreise und stagnierender Materialkosten gerät schnell der Faktor Mensch ins Fadenkreuz der Prozessoptimierer: Einmal mehr ist Apples Hoflieferant Foxconn hier Vorreiter.

Foxconn stellt auf Roboter um

Wie das taiwanesische Branchenportal Digitimes berichtet, ist Apples größter iPhone-Hersteller drauf und dran, seine Produktionskapazitäten von menschlicher Arbeitskraft auf maschinelle Fertigung umzustellen – und das mit Hochdruck. „Foxbot“ heißt der mechanische Werksknecht der Zukunft, der in drei Phasen sukzessive die iPhone-Fertigung übernehmen soll. Das Ziel: Die vollkommene „Lights-out“-Fertigung, also ein laufender Betrieb, der auch dann reibungslos läuft, wenn keine menschliche Arbeitskraft bereitsteht, die einzelnen Produktionsschritte zu überwachen (vom Engl. „Lights out“, also „Licht aus“).
Im ersten Schritt geht Foxconn dem Bericht nach dazu über, den Foxbots einzelne Produktionsschritte zu übertragen, die entweder nur ungern von menschlichen Arbeitskräften übernommen werden oder besonders gefährlich sind. Im zweiten Schritt sollen dann ganze Produktionsabläufe von den Maschinen übernommen werden. Den dritten und abschließenden Schritt bildet die vollständige Automatisierung ganzer Fertigungsstätten. Nach Aussage eines hochrangigen Managers befinden sich Foxconns drei größte Produktionsanlagen in Chengdu, Zhengzhou und Shenzen derzeit an der Schwelle zwischen Status zwei und drei. Mehr als 40.000 der von Foxconn selbst entwickelten Roboter sollen bereits im Einsatz sein. Trotzdem soll die Fertigung auch in Zukunft nicht ganz ohne menschliche Hilfe vonstatten gehen: Den Robotern fehlt demnach die notwendige Flexibilität, um zwischen unterschiedlichen Aufgaben zu wechseln.

Standen Produktionsstandorte in den USA bereits vor der Wahl fest?

Tim Cooks kolportierte Zusage, die Produktion des iPhone in die USA zu verlagern muss angesichts dieser Neuigkeiten neu bewertet werden. Was vielen bislang als ein Akt von vorauseilendem Gehorsam erschien um angedrohten Strafzöllen zu entgehen, könnte sich als gewiefte Geschäftsentscheidung entpuppen, die ohnehin schon lange geplant war. Donald Trump selbst hatte Apple gewaltige Steuerentlastungen in Aussicht gestellt, sollte der iKonzern seiner Wahlkampfforderung nachgeben und einen Teil seiner Produktion in die USA verlagern. Mit vollautomatischen Fabriken könnte Foxconn nun eine neue Fertigung ohne weiteres in den Vereinigten Staaten aufbauen, und das ohne große Personalkosten in Kauf nehmen zu müssen, während Apple die versprochenen Steuererleichterungen einstreicht. Am Ende könnte sich die Rochade für alle Beteiligen auszahlen: Günstigere Fertigungskosten für Foxconn, mehr Gewinn für Apple und einen Präsidenten, der darauf pochen kann, sein Wahlversprechen eingelöst zu haben.
Nur eine Seite wird dann am Ende leer ausgehen: Die Arbeiter – egal ob in Fernost oder in den USA.

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