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Alles Smartphone oder was? Wer die Digitalkamera über Wasser hält

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Pünktlich zur Fotomesse Photokina stimmten in den letzten Tagen Autoren auf verschiedener Portale den Abgesang auf die Digitalkamera an. Auslöser war eine Grafik, bereitgestellt vom Statistikportal Statista. Waren 2010 noch rund 8,2 Mio. Digitalkameras und 7,7 Mio Smartphones über die Ladentheken gegangen, sahen die Zahlen für das Jahr 2015 schon ganz anders aus. Im vergangenen Jahr standen magere 3,4 Mio. verkaufte Digicams gewaltigen 25 Millionen Smartphones gegenüber. Doch die Digitalkamera hat einen starken Verbündeten: Die Demographie.

Der Volksmund sagt, das Alter komme mit Gebrechen. Krankenkassen und Beitragszahler können ein Liedchen davon singen. Aber die Zeit hinterlässt nicht nur Spuren in Arztpraxen und Statistiken, sie ist auch Träger unserer Erinnerungen. Denn nicht nur Profi-Fotografen und Gelegenheitsknipser sind treue Kamerakäufer. Wer Großeltern und Verwandte besucht, findet auf Kommoden und Anrichten, auf Nachttischen und in Alben immer wieder eines: Fotos. Bilder, Erinnerungen an die eigene Vergangenheit, an die Jugend, vergangene Zeiten und Menschen, die lange schon nicht mehr da sind. Oft in Schwarzweiß, in Sepia-Tönen oder ausgeblichen und verwaschen.
Und das ohne jede Attitüde, ohne jeden Instagram-Filter und ohne Sharing. Denn was in der Hipster-Boheme als ironisch umbrochener Retrochic daherkommt, hat für ältere Generationen eine ganz eigene, ernste Bedeutung – die bildlich-greifbare Darstellung der eigenen Biographie. Wer hier liken will, muss Kuchen essen kommen.

Dabei ist die Herstellung „klassischer“ Fotografien mindestens so antiquarisch wie ihre Erscheinung, jedenfalls aus heutiger Sicht. Kaum jemand kennt noch das Gefühl, einen Film in eine Kamera einzulegen – oder das echte Knipsen beim Druck auf den Auslöser. Das übernimmt bei Profi-Kameras ein Lautsprecher, damit der Fotograf ein spürbares Feedback erhält– technisch notwendig wäre der „Klick“ längst nicht mehr. Ohne Mechanik keine Geräusche.
Dabei sind es genau diese Eigenheiten, die das Aufnehmen eines Bildes so besonders machten. Wird heute unter 15 Selfies das Facebook-tauglichste ausgesucht und gepostet, galt es früher ein Bild möglichst konzentriert zu machen – und zwar gleichermaßen für Fotografen und Fotografierte. Posing will geübt sein, wenn ein Film nach 36 Bildern voll ist.
Wer noch das analoge Zeitalter kennengelernt hat, erinnert sich gut daran, dass Fotos auch immer eine kitzelige Angelegenheit waren. Sind meine Bilder was geworden? Geduld war gefragt, denn die Antwort gab es erst nach ein paar Tagen – wenn die Fotos fertig entwickelt waren.

Warum retten die Alten die Digicam?

Je älter wir werden, desto weniger gern brechen wir mit liebgewonnenen Gewohnheiten. Smartphones gibt es seit rund zehn Jahren, fotografieren tun Menschen schon deutlich länger. Ältere Menschen tun sich schwerer mit den digitalen Alltagsbegleitern. Natürlich gibt es Ausnahmen,

Alte Kamera
Kaum verändert seit Hundert Jahren – der klassische Aufbau einer Kamera.

doch auch hier sprechen die Zahlen für sich.
Während nach einer Erhebung des Branchenverbands BITKOM in diesem Jahr bereits 88 Prozent der 50-64jährigen ein Smartphone ihr Eigen nannten, waren es bei den über 65jährigen gerade einmal 27 Prozent. Gleichzeitig sind es eben jene über 65jährigen, die heute gesünder, im Schnitt wohlhabender und mobiler sind als alle Ruhestandsgenerationen vor ihnen.
Sie leben länger, reisen mehr und haben nicht selten auch Geld, um ihre Erinnerungen festzuhalten. Ihnen kommt die vertraute Haptik einer typischen Kamera entgegen. Mit vertrauten Bedienelementen, typischem Korpus und Elementen, die auch eine analoge Kamera vor Jahrzehnten schon besaß, ist eine Kamera immer eine Kamera – vom Auslöser bis zum Objektiv.

Wer mit Blick auf die Nutzbarkeit investiert, tut das bewusst. Und gerade die Generationen, die sich mit Smartphones, Tablets und Selfie-Sticks eher schwertut, wird die digitale Kamera noch einige Jährchen am Leben erhalten, wenn auch zugegebenermaßen auf niedrigem Niveau, Abgesang hin oder her, auch hier gilt: Das Smartphone ist immer nur so präsent, wie es der Käufer zulässt.

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