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Playstore-Update: Googles große Vernissage

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Während aktuell lautstärkere Angelegenheiten die Medienwelt aufwühlen (Sonnenfinsternis, Stinkefinger, Vorratsdatenspeicherung, usw.), geschehen still und leise im Hintergrund Dinge, die uns alle betreffen und doch keinen so recht berühren. Gemeint ist Googles Ankündigung, Apps vor ihrer Veröffentlichung fortan auf ihre Alterstauglichkeit und ihre Funktionalität zu überprüfen.

Das Procedere ist im Prinzip ganz simpel. Entwickler sollen ab sofort vorgefertigte Fragebögen zur Klassifikation ihrer Programme ausfüllen, die nach Maßgabe jeweiliger nationaler oder transnationaler Standards eine Einordnung erlauben. Schon in allernächster Zukunft sollen Besucher des Google-Play-Stores entsprechende Alterseinstufungen nach USK, PEGI etc. in der Detailansicht einer App sehen können. Weitreichender als die Beurteilung ihrer Alterstauglichkeit ist jedoch Einführung einer generellen Überprüfung neuer Apps „…to better protect the community and improve the app catalog“, die wohl schon vor einigen Monaten begonnen hat.

Nun kann man davon halten, was man will. Gewiss, es gibt gute Gründe, Apps auf Herz und Nieren zu überprüfen, bevor sie auf die Öffentlichkeit losgelassen werden. Gerade im Bereich der Casual Games sind nicht wenige Apps kurz nach ihrer Veröffentlichung oft noch dermaßen buggy, dass man sich zwangsläufig an alte Windowszeiten erinnert fühlt. Auch ist nichts dagegen einzuwenden, Entwickler in die Schranken zu weisen, die ihre Produkte einzig und allein in den Äther stellen, um sie als von Hand bedienbare Werbeplattformen zu zweckentfremden.

Der Nebeneffekt so wohlmeinender Politik besteht jedoch in der unausweichlichen Kontrolle durch die großen Plattformbetreiber (Apple, Microsoft und Google). Der müssen sich nicht länger nur User unterwerfen. In zunehmendem Maße betrifft die Stringenz der digitalen Hegemone auch Entwickler. Denn klar ist: Jede Form „kuratierten“ Surfens geht immer mit Einschränkungen einher, ob sie als Filter, Qualitätsstandard oder Zensur daherkommen. Damit bewegt sich Google einen ganzen Schritt weg von der eigenen Do-no-evil-Policy vergangener Tage. Marktmacht und Missbrauch liegen leider oft allzu nahe beieinander. „Unsinn, Panikmache, Gespensterseher“ wird manch einer hier denken, aber in der Geschichte hat es nur wenige Beispiele von Marktmacht ohne Missbrauch gegeben.

Kurz nach Einführung des iPhones hat Apple noch gewaltigen Aufruhr verursacht, als bekannt wurde, dass HAL, sorry, Apple jederzeit in der Lage ist, Apps von jedwedem iPhone weltweit ohne Vorankündigung oder gar Rückfrage zu löschen. Resigniert und zurechtgestutzt wie die Öffentlichkeit mittlerweile ist, berührt Googles Ankündigung scheinbar kaum noch.
„Google entscheidet? Egal, machen die eh schon jeden Tag.“

Dabei gäbe es Alternativen. Die naheliegendste bleibt die bisherige Praxis: Das Opt-Out durch permanente User-Qualitätsevaluation. Die ist übrigens nicht nur naheliegend, sondern auch demokratisch oder das, was Sozialwissenschaftler als Public Choice bezeichnen; in Kurzfassung: Schrott verkauft sich schlecht. Eine App, die von zehn Usern als gefährlicher Giftmüll bewertet wurde, hat verdammt schlechte Chancen sich weiterzuverbreiten – auch ohne Googles Placet.

Das Ganze ist gut verklausuliert und dabei nicht frei von Zynismus. Denn fortan wacht Google nicht nur über das Wohl und Wehe unser aller Smartphones, sondern auch über das Wohlverhalten potenzieller Konkurrenten. Damit schwenkt der Megakonzern aus Mountain View weiter in Richtung „splendid isolation“, auch wenn dieser historische Begriff hier etwas aus dem Zusammenhang fällt. Was wir beobachten, ist dennoch zweifellos ein Baustein hin zu einer Plattformkonsolidierung, wie wir sie bereits von Apple und Microsoft kennen, und in der nur einer die Regeln macht: Google. Honi soit qui mal y pense.

Quellen:
http://goo.gl/dO6LDG
http://goo.gl/q8pU1O
http://goo.gl/SroP2z

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