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Project Ara: Aus der Traum

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Eben schien sich Google noch im Höhenflug mit seinem Project Ara zu befinden, nun ist das Vorhaben abgestürzt. Am Freitag gab Reuters bekannt, dass das modulare Smartphone nicht weiterentwickelt wird, was Google gegenüber dem Onlinemagazin Venturebeat bestätigte.

Für alle, die es verfolgt haben, kam dieser Schritt sehr überraschend, denn der Konzern hatte auf der vergangenen Google I/O-Messe angekündigt, dass das Smartphone noch im Herbst an Entwickler ausgegeben wird. Ab 2017 sollte Ara für  normale Nutzer verfügbar sein. Doch der Traum ist nun geplatzt. Der Konzern hat im Zuge der Verkleinerung seiner Hardware-Sparte das Ende des Projektes beschlossen. Wäre Ara in diesem Jahr erschienen, wäre es das erste Smartphone gewesen, das komplett von Google entwickelt wurde.

Nachhaltig und individualisierbar – Ein Rückblick

Unter Project Ara sollte ab 2013 ein modulares Smartphone entstehen, bei dem alle Komponenten ausgetauscht werden können. Jeder Nutzer hätte das Handy genau an seine eigenen Bedürfnisse anpassen oder ganz einfach defekte Module tauschen können. Das Gerät hätte einfach repariert und aufgerüstet werden können und eine weitaus längere Lebensdauer gehabt als herkömmliche Modelle. Zusätzlich sollte Ara sehr günstig sein. Die Grundausstattung mit Prozessor, Akku, WiFi-Antenne und Display sollte für nur 50 Dollar verkauft werden.

Smartphone Project Ara
Smartphones Project Ara

Ursprüngliche Entwürfe zeigten ein Smartphone, das aus einer Platte besteht, auf der Anschlüsse für Module verschiedener Größe, angebracht sind. Jede Komponente hätte in jeden Slot gesetzt werden können, sofern die Größe stimmt. Dank einer modifizierten Android-Version hätte das Smartphone nicht einmal abgeschaltet werden müssen, um Module zu tauschen. Die Idee war gut, die Umsetzung alles andere als einfach: Der erste Prototyp, der 2014 vorgestellt wurde, versagte direkt nach dem Einschalten. Für die Realisierung von Ara arbeitete Google bereits mit seinen Partnern Panasonic, E Ink, Toshiba, Sony, Samsung, TDK und iHealth zusammen. Die Lizenzen für die Module sollen nun bei den Partnern verblieben sein, wie Inside Handy berichtet.

Von den Ursprüngen entfernte sich Google allerdings immer weiter. Der letzte vorgestellte Ara-Prototyp war weitaus weniger modular, als in der Ursprungsidee vorgesehen. Die wichtigsten Funktionen – Prozessor, Akku, Grafikeinheit, Display, Antennen und Sensoren – sollten fest verbaut sein. Für Erweiterungen sollten sechs Slots zur Verfügung stehen, in die zum Beispiel Audiomodule oder auch ein Blutzuckermesser gesteckt werden sollten. Dabei waren die fest verbauten Teile genau diejenigen, die tauschbar hätten sein müssen, um die Lebensdauer des Smartphones wirklich zu verlängern und es maßgeblich zu individualisieren. Hier hatte Google den Fans schon mal einen Dämpfer verpasst.

Die Entstehung des Projektes

2013 stellte der Designer Dave Hakkens seine Idee Phonebloks vor. Bei dieser Bauweise wurden Bloks, also Module, auf eine sogenannte Base aufgesteckt. Motorola entwickelte zur gleichen Zeit ein ganz ähnliches Projekt unter dem Namen Sticky. Die damalige Mutterfirma Google trieb die Entwicklung mit dem Team ATAP – Advanced Technologies and Projects – maßgeblich voran. Als Motorola an Lenovo verkauft wurde, verblieben die Entwickler bei Google. Ein Treffen mit Hakkens wurde organisiert, eine Zusammenarbeit kam nicht zustande und Sticky würde in Project Ara umbenannt. Hakkens war vor allem von der später mangelnden Modularität enttäuscht und kritisierte, dass Google keinen einheitlichen Standard für modulare Smartphones schaffen wollte. Er selbst entwickelt sein Projekt seit der Vorstellung offiziell nicht mehr weiter.

Der modulare Trend setzt sich auch nach Ara fort

Auch wenn das Ende von Project Ara vor allem für Enttäuschung gesorgt hat, gestorben ist der modulare Gedanke nicht. Andere Projekte sind auf dem Vormarsch und es bleibt zu hoffen, dass Google-Partner mit den entsprechenden Lizenzen die Idee doch noch verwirklichen. Durch ein Kickstarter-Projekt konnte bereits ein ähnliches Vorhaben verwirklicht werden. Nexpaq ist eine modulare Smartphonehülle, die ähnlich wie Ara aufgebaut ist. Auf die Hülle können Zusatzakkus, LED-Lampen, Laserpointer, Speicher und vieles mehr gesteckt werden. Zwar ist es kein modulares Smartphone aber immerhin ein sehr guter Anfang. Der Erfolg auf Kickstarter zeigt zudem, dass die Nutzer solche Alternativen gerne annehmen.

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