Startseite News & Trends Halloween 2.0: Minister für Netzdiskriminierung

Halloween 2.0: Minister für Netzdiskriminierung

Netzneutralität
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Es ist der neunte November, in anderen Jahren ein Tag des Innehaltens und Gedenkens. Aus irgendwelchen Gründen zieht dieses Datum offenkundig dramatische historische Momente an, und heute Morgen ist ein weiteres Ereignis hinzugekommen, dessen Tragweite wir noch gar nicht überblicken können. Grotesk, wenn dann auch noch die Horrorclowns zurückkehren – dabei war Halloween doch gerade vorbei.

In den vergangenen Jahren hat eine Diskussion an Fahrt aufgenommen, die im direkten Zusammenhang mit immer höheren Endgeschwindigkeiten und Datenmengen steht: Die Diskussion um „Netzneutralität“.
Ihr erinnert Euch: Netzneutralität bedeutet, dass kein Dienst bei der Datenübertragung benachteiligt werden darf. Alle Daten sollen neutral, also gleichwertig behandelt und mit der gleichen Geschwindigkeit vom Urheber zum Konsumenten befördert werden.

Von diesem Prinzip profitiert vor allem der Endnutzer, der frei entscheiden kann, welches Angebot er oder sie in welchem Umfang nutzen will, aber auch alle kleinen, neuen Anbieter von Dienstleistungen. Denn gibt es keine Netzneutralität, dann entscheiden andere, welcher Dienst mit welcher Geschwindigkeit auf einem Rechner oder Smartphone landet – oder ob das eigene Datenvolumen ausreicht, einen Service dauerhaft in Anspruch zu nehmen oder nicht.

Größter Fürsprecher für ein Ende der Netzneutralität sind deswegen -natürlich- die Großen der digitalen Branche. Dazu gehören Service-Marktführer, etwa die ganz großen Musikstreaming-Anbieter, aber leider auch Provider. Denn ohne Netzneutralität können sie selbst darüber befinden, welche Daten in welcher Qualität durchs Netz reisen – und sich entsprechende Privilegien teuer bezahlen lassen.

Es mutet also seltsam an, wenn sich die Politik zum Fürsprecher eines Endes der Netzneutralität macht. So geschehen am heutigen Tag, als Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt nach dem Ende des sechsten Treffens der „Netzallianz Digitales Deutschland“ die Zukunft der Netze in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft sieht: Einem „industriellen“ Netz für natürlich unverzichtbare Zukunftstechnologien wie Telemedizin und autonome Fahrsysteme und einer digitalen Resterampe für die breite Masse. Anwesende Branchenvertreter leisteten wie zu erwarten eifrig Beihilfe. Es sei „völlig ineffizient“, jeden beliebigen Netzdienst genauso auszustatten wie besagte „industrielle Netze“. Der Begriff ist übrigens ein Novum in der Diskussion, der davon ablenken soll, dass es selbstverständlich weiterhin um ein- und dasselbe Netz geht.

Dabei dienen scheinbar altruistische Zwecke und zukunftsorientierte Technologien lediglich als Feigenblatt, denn ist die Netzneutralität erst einmal aufgeweicht, dann gibt nicht länger der Nutzer den Takt vor, welcher Dienst erfolgreich ist.

Wetten?

Alles Maskerade. Halloween ist wirklich jeden Tag.

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