Weltfrauentag 2020: Diesen Frauen verdanken wir die Digitalisierung

Zum internationalen Weltfrauentag 2020 stellen wir Dir unterschätzte Wissenschaftlerinnen vor, die einen großen Beitrag zur Digitalisierung geleistet haben. Denn ohne ihre Arbeiten, wäre die digitale Revolution kaum möglich. Daher ist es an der Zeit, sie kennenzulernen. Hefte raus: Klassenarbeit!

The Future is female – und die Vergangenheit auch

Frauen in der IT haben einen schweren Stand. Die Branche gilt als ein relativ geschlossener Männer-Verein, der in den Vereinshallen auch männlichen Götzenbildern wie Alan Turing, Larry Page oder Steve Jobs frönt. Dabei bleiben weibliche Pionierinnen der Digitalisierung auf der Strecke. Nun wird es Zeit für einen neuen Blick. Zum Weltfrauentag 2020 wechseln wir die Perspektive von History zu Herstory und stellen Dir Forscherinnen vor, die gerade im digitalen Bereich bahnbrechende Erfindungen machten.

Ada Lovelace – Let’s talk code

Ada Lovelace war eine britische Mathematikerin des 19. Jahrhunderts, die zusammen mit dem Erfinder Charles Babbage am Analytical Engine, einem Vorläufer des modernen Computers, arbeitete. Sie veröffentlichte einen Kommentar zur Programmierung des Engine, der eine Pionierleistung des Codens darstellt. Daher gilt sie vielen auch als erste Person, die sich als ProgrammiererIn bezeichnen ließe. Deshalb ist auch Ada, die erste standardisierte höhere Programmiersprache, nach ihr benannt.

Weltfrauentag 2020: Ada Lovelace

Ada Lovelace hinterließ wissenschaftlich vielbeachtete Kommentierungen, genannt Notes. Diese beinhalten auch eine Blaupause zur Berechnung der Bernoulli-Zahlen in Diagrammform. Damit verfasste sie ein Schriftstück, das als das erste veröffentlichte Programm in die Geschichte eingeht.

Hedy Lamarr – Torpedos für Bluetooth

Hätte Hedy Lamarr nicht mit dem Komponisten George Antheil 1942 ein Patent zur Funkfernsteuerung von Torpedos angemeldet, müssten wir heute auf Datenübertragung via Bluetooth oder GSM-Technik verzichten. Mit einem gleichzeitigen Frequenzwechsel wurden Funkverbindungen wie Bluetooth unanfälliger für Störungen und konnten schwerer angepeilt werden. Perfekt, um Torpedos zu steuern, aber auch um Daten sicher zu übertragen.

Weltfrauentag 2020: Hedy Lamarr

Hedy Lamarr stellte während des Zweiten Weltkriegs ihre Erfindungen dem US-Militär zur Verfügung. Die österreichisch-amerikanische Erfinderin wurde dafür 2014 in die National Inventors Hall of Fame aufgenommen.

Grace Hopper – Mehr als Nullen und Einsen

Grace Hopper studierte in den 1920er Jahren an renommierten Hochschulen wie Vassar und Yale Mathematik und Physik. Später entwickelte sie an der Universität Harvard die Programmiersprache FLOW-MATIC. Letztere ließ sich mithilfe des von ihr ebenso erfundenen ersten Compilers in Maschinencode für den Computer umwandeln. Damit revolutionierte sie das Programmieren, schaffte sie doch einen einfachen Zeichencode, der die bis dato üblichen, komplizierten Befehlsketten ablöste. FLOW-MATIC umfasste circa 30 Befehle in englischer Sprache und war der Vorgänger von COBOL, einer Programmiersprache, die bis heute verwendet wird.

Grace Hopper
Wikipedia: CC BY 2.0

Hopper und ihr Team sollen – der Legende nach – den Begriff „Bug“ (Programmfehler) geprägt haben. Nachdem eine Motte für einen Computer-Ausfall sorgte, habe ein Mitarbeiter Hoppers das Tier ins Logbuch geklebt und mit der Notiz versehen: „First actual case of bug being found.“ (Das erste Mal, dass tatsächlich ein Bug gefunden wurde).

Rocket Girls: NASAs menschliche Computer

Ohne die Informatikerin Margaret Hamilton, die Ingenieurin Mary Jackson sowie die Mathematikerinnen Katherine Johnson und Dorothy Vaughan wäre die Mondlandung nie zustande gekommen. Die Forscherinnen zählen zu den sogenannten Rocket Girls – menschlichen Rechenmaschinen, welche die US-amerikanische Raumfahrtbehörde NASA in den 1950er Jahren zur Unterstützung von Wissenschaftlern eingestellt hat. Die Rocket Frauen hinterlassen nicht nur ein wissenschaftliches, sondern auch ein gesellschaftliches Vermächtnis. Die Forscherinnen haben sowohl Geschlechterrollen als auch Rassengesetze herausgefordert und als erste die gläserne Decke der NASA durchbrochen. Aus den Kellerräumen des Rechenzentrums sind sie ins Herz der Behörde vorgedrungen und haben als Abteilungsleiterinnen bahnbrechende Berechnungen zur Mondlandung angestellt.

Katherine Johnson

Quelle: Wikipedia

NASAs Rocket Girls sind inzwischen vielfach ausgezeichnet. Katherine Johnson etwa erhielt für ihre Arbeiten zur Berechnung der Flugbahnen für die erste bemannte Mondlandung 2015 die Presidential Medal of Freedom.

Shirley Jackson – Call me maybe

Shirley Ann Jackson ist die erste Frau of Color, die am Massachusetts Institute of Technology (MIT) einen Doktortitel erlangte. Damit war sie im Jahre 1973 auch erst die zweite Frau in den USA mit einem PhD. in Physik. Bis 1991 hat Jackson über 100 Studien veröffentlicht. Einige dieser Arbeiten befassten sich mit Telekommunikation und trugen dazu bei, Techniken für das Tonwahltelefon, Glasfaserkabel und die Anruferkennung voranzubringen. Deshalb hat sie US-Präsident Barack Obama 2009 in den Rat für Wissenschaft und Technologie berufen, wo sie unter anderem als Co-Vorsitzende für Innovation und Technologie fungierte.

Shirley Jackson
Wikipedia: CC BY-SA 2.0

Derzeit ist Shirley Ann Jackson Präsidentin des Rensselaer Polytechnic Institute (RPI), einer der ältesten technischen Hochschulen in den Vereinigten Staaten.

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