Startseite Ratgeber Sicher unterwegs Für immer überall – BKA will Handyortung deutlich ausbauen

Für immer überall – BKA will Handyortung deutlich ausbauen

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Was haben ein Handy und ein Elektromotor gemeinsam? Richtig – beide funktionieren immer in zwei Richtungen. So wie der Elektromotor auch als Stromerzeuger dienen kann, ist ein Handy immer gleichzeitig Sender und Empfänger. Doch während der Elektromotor wenigstens stumm bleibt, erzählt Dein Handy eine ganze Menge – das will sich das BKA künftig noch konsequenter zunutze machen.

Bis zum Jahr 2020 plant das BKA einer Meldung des Datenschutzportals netpolitik.org zufolge, seine Ortungskapazitäten deutlich zu verbessern – unterstützt von der EU-Kommission und unter Federführung des Bundesinnenministeriums. Sogenannte IMSI-Catcher sollen dabei zum Einsatz kommen. IMSI-Catcher täuschen vor, ein Teil des eigentlichen Mobilfunknetzes zu sein. Einmal eingebunden, stellen sie die Verbindung mit umliegenden Handys und Smartphones vor, um sie zu überwachen oder ggf. gleich zu infiltrieren. Ermittlungsbehörden sind so in der Lage, Mobilfunkgeräte Einzelpersonen eindeutig zuzuordnen, denn neben dem eigentlichen Ort wird auch die Gerätenummer (IMEI) des entsprechenden Geräts festgestellt. Mit diesen Daten sind BKA und Mobilfunkanbieter anschließend in der Lage, entsprechende Bestandsdaten des Mobilfunkteilnehmers, aber auch die konkreten Verkehrs- und Inhaltsdaten abzufragen.

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Das Forschungsprojekt „Catch“ soll die Interoperabilität mobiler und fixer IMSI-Catcher optimieren, um noch genauere Messergebnisse zu ermöglichen. Es wurde vom BKA als vierjähriges Forschungsprojekt für festinstallierte und mobile IMSI-Catcher initiiert, unterstützt wird es von der EU-Kommission mit rund 340.000€. EU-seitig beurteilt man die Unterstützung des Projekts als Beitrag zur „Fähigkeit zur Aufdeckung und Zerschlagung krimineller Netzwerke“.

IMSI-Catcher werden aktuell nicht nur vom BKA eingesetzt, auch der Zoll greift im Rahmen von Amtshilfeersuchen auf die technischen Fähigkeiten der Kriminalbehörden zurück. Genauso bedienen sich Geheimdienste wie das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) und der Militärische Abschirmdienst (MAD) vorhandener Kapazitäten.

Dank BKA zum persönlichen Dongle

Wer sich häufig verläuft oder dazu neigt, Handys auf Festivals zu verlieren, kann es künftig dann ja mal beim BKA probieren. Da sage nochmal einer, Deutschland würde sich zu sehr auf Datenschutz kaprizieren, anstatt Innovationen zu fördern.
Im Ernst: Die bisherigen Einsatzzahlen sind noch überschaubar, in Verbindung mit der widerrechtlich eingeführten Vorratsdatenspeicherung entsteht jedoch künftig ein immer engeres Netz unfreiwilliger Lokalisierbarkeit eines jeden einzelnen Menschen. Einfach kein Handy benutzen? Unrealistisch in der modernen Welt. Was also bleibt? Wohl nur die Hoffnung, dass direkte Überwachung von Telekommunikationsdiensten auch künftig an die richterliche Anordnung gebunden bleibt.

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