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Der Handy-Experte im Interview: WhatsApp – Datenaustausch oder Diebstahl?

Robert Ermich im Interview
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Regelmäßig ist DEINHANDY-CEO Robert Ermich in der deutschen Radiolandschaft unterwegs. Hier beantwortet er Fragen rund um Smartphones, Tablets und Tarife und gibt Tipps und Ratschläge zum digitalen Alltag.

Egal ob Sprachaufnahmen, Bilder oder klassische Nachrichten mit Smileys – wer ein Smartphone besitzt, kommuniziert fast ausschließlich über das digitale Medium WhatsApp. Allein in Deutschland sind das mehr als 35 Millionen Menschen. Doch seitdem der Mutterkonzern Facebook die Nutzungsbedingungen verändert hat, schlagen Datenschützer der Europäischen Union regelmäßig Alarm. Nun gab es sogar einen blauen Brief, darin werden weitere rechtliche Schritte angedroht. Warum genau, darüber sprechen wir jetzt mit Robert Ermich, Geschäftsführer von DeinHandy.de – hallo!

Robert Ermich: „Hallo!“

Warum wird WhatsApp von Datenschützern kritisiert?

Robert Ermich: „Nachdem Facebook WhatsApp vor zwei Jahren gekauft hat, hieß es eigentlich erst, dass keine Daten ausgetauscht werden zwischen beiden Diensten. Inzwischen – mit den neuen Daten-schutzrechtlinien, die beide Unternehmen durchsetzen wollen – ist das nicht mehr der Fall. Jetzt sagen die deutschen Datenschützer zu Recht, das ist eine Irreführung des Endkunden und auch der Öffentlichkeit, denn nach deutschem Recht muss eigentlich einem Datenaustausch eine Einverständniserklärung vorausgehen. In diesem Fall hätte sowohl Facebook als auch WhatsApp von den Endnutzern ein Einverständnis haben müssen – und im Speziellen müsste der WhatsApp-Nutzer noch mal darauf hingewiesen werden, dass seine Daten explizit an Facebook weitergegeben werden.“

Wie wirkt sich der Datenaustausch zwischen Facebook und WhatsApp auf den Nutzer aus?

Robert Ermich: „Facebook will praktisch alles an Daten einsammeln, was es kann, das heißt sowohl Telefonnummern als auch Profilinformationen als auch den Onlinestatus und sogar Statusmeldungen des Kunden. Erschreckend ist eigentlich dabei, dass nicht nur Facebook, sondern eben auch die Marketingpartner von Facebook dadurch permanent wissen, was wir tun, wo wir uns aufhalten und wie zum Beispiel unser Schlafrhythmus ist – oder was denn eben unsere Vorlieben sind und mit wem wir am liebsten uns unterhalten. Und dabei ist es total egal, ob wir ein Facebook-Konto haben oder nicht.“

Trotz allem ist WhatsApp weltweit beliebt – woran liegt das?

Robert Ermich: „Der Begriff der ‚kritischen Masse‘ ist dafür eigentlich entscheidend: WhatsApp hat weltweit über eine Milliarde – und in Deutschland über 35 Millionen Nutzer. Das heißt: Man kann sich dem Ganzen nicht so wirklich entziehen. Löscht man sein WhatsApp-Konto, nimmt man sich automatisch auch so ein bisschen aus seinem sozialen Umfeld raus und wird eben da nicht mehr erreichbar. Zudem nutzt WhatsApp natürlich auch die Macht, die sie haben und entwickelt sehr, sehr schnell neue Funktionen, neue Features – sei es jetzt Video-Telefonie oder Voice-Telefonie, dass man eben auch mit dem Datenvolumen, egal ob man Empfang hat oder nicht, sich mit Freunden, egal wo auf der Welt, unterhalten kann.“

Gibt es überhaupt sinnvolle Alternativen?

Robert Ermich: „Es gibt verschiedene Alternativen wie ‚Threema‘, ‚Telegram‘ oder das von Edward Snowden empfohlene ‚Signal‘. Jedoch muss sich jeder Nutzer bewusst sein, dass egal, was er jetzt da draußen durch die Gegend schickt, irgendwo am Ende von anderen Unternehmen oder von Regierungen eben doch eingesehen kann und wir eben doch im ‚1984‘ von George Orwell leben und so langsam immer mehr zum gläsernen Menschen werden. Es ist deprimierend, das so zu sagen, dennoch ist es leider wirklich so, weil: Jeder Dienst hat irgendwo seine Macken, seien es jetzt Server in den USA oder eben Datenschutzbestimmungen, die nicht eingehalten werden. Das bringt das moderne Leben und die sozialen Medien und die sozialen Netzwerke eben mit sich.“

Das heißt also, am besten das Handy wegschmeißen – oder was bringt die Zukunft?

Robert Ermich: „So radikal würde ich es jetzt vielleicht nicht machen, aber für die Zukunft müssen wir uns einfach bewusst sein, dass wir gläserne Menschen sind. Wir selbst und unsere Experten in unserem Blog diskutieren das Thema auch häufig und geben hier und da noch Tipps, auf was man eben konkret achten kann, bei der Nutzung von solchen Messenger-Diensten – und versuchen eben, unsere Nutzer so schnell wie möglich zu informieren, wenn es neue Datenschutzrichtlinien gibt oder wenn Lücken in etwaigen Systemen entstehen. Letzten Endes muss man aber einfach sagen, dass jeder für seine eigene Datensicherheit so ein bisschen verantwortlich ist und eben selbst entscheiden muss, was er mit der Welt teilt – und dass man sensible Daten im Zweifel eben doch mal per Anruf oder per SMS noch erledigt.“

Robert Ermich, Geschäftsführer von DEINHANDY – vielen Dank!

Robert Ermich: „Gerne!“

Also lieber zweimal überlegen, bevor Sie etwas verschicken. Wir halten Sie auf dem Laufen, wie sich der Streit um die neuen Nutzungsbedingungen in den nächsten Wochen und Monaten entwickelt. Weitere Infos und nützliche Tipps gibt es auch im Netz unter DeinHandy.de.

Der Handy-Experte

Robert Ermich ist Gründer und Geschäftsführer von DEINHANDY. Mit Handys und Smartphones beschäftigt er sich jedoch schon bedeutend länger, beruflich seit 2008. Bereits vor der Gründung von DEINHANDY im Jahr 2014 war Ermich in der deutschen eCommerce-Landschaft mit Schwerpunkt Mobilfunk tätig.

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