Startseite Ratgeber Hyperaktiv, dick, unkonzentriert: So verändern Smartphones Kinder

Hyperaktiv, dick, unkonzentriert: So verändern Smartphones Kinder

Hyperaktiv, dick, unkonzentriert: So verändern Smartphones Kinder
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 „Vom langen Fernsehen bekommst Du viereckige Augen!“ – Ein Satz, den viele Kinder sicher von ihren Eltern gehört haben. Heutzutage hat der Fernseher einiges an Beliebtheit eingebüßt. Stattdessen spielen die Kleinen lieber mit dem Smartphone oder Tablet der Eltern und lernen meist sogar viel schneller welche Funktionen die Geräte haben, als die Erwachsenen. Die ständige Nutzung verursacht bei Kindern zwar keine viereckigen Augen, aber eine ganze Reihe anderer Probleme, wie eine aktuelle Studie zeigt.    

Smartphone Baby Vater
Diese Hände sind viel zu klein, um ein Smartphone zu halten.

Eine Frau läuft mit ihrem Smartphone durch die Stadt und schiebt einen Kinderwagen vor sich her. In Großstädten ist dies schon lange kein ungewöhnliches Bild mehr, sondern Alltag. Ähnlich verhält es sich mit jungen Schülern, die ihr Smartphone mit ihren kleinen Händen kaum festhalten können – Das Smartphone hat es eindeutig längst ins Kinderzimmer geschafft. Die Ergebnisse der neuen Blikk-Studie zeigen nun sehr deutlich, welche Folgen das haben kann. Schon die Kleinsten werden demnach von Smartphones beeinflusst, auch wenn sie sie noch gar nicht selbst benutzen können. Beschäftigen sich die Eltern während der Betreuung ihres Babys mit dem Handy, kann das Kind zu Einschlafstörungen und Fütterproblemen neigen, so die Macher der Studie. Damit fängt die Belastung der Kinder durch neue Technologien bereits im Kinderwagen an.

Mutter Smartphone Kinderwagen
Smartphone haben auf Babys keine Auswirkung – offenbar doch.

Später können noch zahlreiche weitere Probleme hinzukommen. Knapp 70 Prozent der Kitakinder, die für die Studie befragt wurden, konnten mehr als eine halbe Stunde täglich mit digitalen Medien spielen. Sie neigten zu motorischer Hyperaktivität, Konzentrationsstörungen und Sprachentwicklungsstörungen. Kinder von acht bis 13 Jahren traten ebenfalls als unruhig und ablenkbar auf. Zudem wurde festgestellt, dass Kids, die mehr als 60 Minuten am Tag digitale Medien nutzen, zu einem höheren Konsum süßer Getränke und Süßigkeiten sowie einem damit verbundenen höheren Body-Mass-Index neigten. Für die Studie wurden 5.573 Kinder und Eltern befragt und kinderärztliche Früherkennungsuntersuchungen einbezogen. Die Studie wird von der Stiftung Kind und Jugend, der Rheinischen Fachhochschule Köln, der Gesellschaft für Ambulante Allgemeine Pädiatrie und der Universität Duisburg-Essen durchgeführt.

Welche Lehren ziehen Eltern daraus?

Experten raten nun zu einem bewussteren Umgang mit digitalen Medien und klaren Einschränkungen. Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, sagte bei der Vorstellung der Studie, dass die gesundheitlichen Risiken der digitalen Medien ernstgenommen werden müssten und es dringend notwendig sei, Eltern beim Thema Mediennutzung Orientierung zu geben.

„Unter dem Strich ist es höchste Zeit für mehr digitale Fürsorge – durch die Eltern, durch Schulen und Bildungseinrichtungen, aber natürlich auch durch die Politik.“
Marlene Mortler (CSU), Drogenbeauftragte der Bundesregierung

Studienleiter Uwe Büsching fordert Früherkennungsuntersuchungen durch Medien-Anamnese und qualifizierte Medienberatungen zu ergänzen. Sinnvoll ist in diesem Zusammenhang auch eine Beratung nur für Erwachsene. Denn nur wer selbst gelernt hat, verantwortungsvoll mit den digitalen und sozialen Medien umzugehen, kann dies auch an ein Kind weitergeben.

Die Sucht nach dem Smartphone

Kind Smartphone
Kinder, die schon früh mit Smartphones in Berührung kommen können hyperaktiv und unkonzentriert werden.

In Deutschland sind etwa 600.000 Menschen internetabhängig, 2,5 Millionen weitere zeigen ein bedenkliches Verhalten. Süchte wie diese können durch den Zugang zum Smartphone bestärkt werden. Kinder und Jugendliche, die den Umgang nicht erlernen, sind stark gefährdet. Eine Studie aus dem Jahr 2015 hat bereits gezeigt, dass knapp 8 Prozent der jugendlichen Smartphone-Besitzer suchtgefährdet sind. Dabei gaben die Jugendlichen sogar selbst zu, dass sie sich durch das Smartphone abgelenkt fühlen. Fast 50 Prozent sagten den Wissenschaftlern, dass sie durch das smarte Gerät von den Hausaufgaben abgelenkt würden und knapp 43 Prozent sagten sogar, dass sie über ihr Smartphone unüberlegt persönliche Daten preisgegeben hätten. Dabei bemängelten die Jugendlichen sogar selbst, dass der echte Kontakt zu Freunden abreiße.

Mutter und Kind Smarthone und Tablet
Die beste Lösung: Eltern und Kinder lernen die Funktionen des Smartphones gemeinsam kennen und stellen einen Regelplan für die Nutzung auf.

Eine komplette Abschottung des Kindes von diesen Technologien ist keine gute Lösung für das Problem. Denn die digitalen Medien spielen in Beruf und Alltag eine immer größere Rolle. Kinder kommen somit schon in der Schule mit Smartphones und Tablets in Berührung. Wichtig ist allerdings, dass sie lernen, wie sie verantwortungsvoll mit solchen Medien umgehen. Die Nutzungszeit sollte durch die Eltern begleitet und limitiert und ein eigenes Smartphone erst ab einem Alter von 12 gekauft werden. Die Anschaffung sollte allerdings klar durchdacht sein. Danach sollten Eltern einen Blick darauf haben, wie häufig, das Kind das neue Technik-Spielzeug benutzt. Hausaufgaben, Bewegung und soziale Kontakte sollten im Vordergrund stehen. Sinnvoll ist es mit der Tochter oder dem Sohn klare Nutzungsregeln aufzustellen, an die sich Kind und Eltern halten müssen.

Soll das erste Smartphone angeschafft werden? Dann haben wir in unserem Ratgeber ein paar Tipps und Informationen, was vor dem Kauf beachtet werden sollte.

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