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Fairphone: Noch nachhaltiger mit neuen Modulen

Fairphone: Noch nachhaltiger mit neuen Modulen
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9.15 Uhr, Berlin-Charlottenburg: Das Restaurant in dem sich nach und nach die Journalisten einfinden sieht aus wie aus dem IKEA-Katalog – gemütlich, aber nicht zu gemütlich, modern mit Vintage-Accessoires. Die Backsteinwände wurden weiß gestrichen, freihängende Glühbirnen wurden mit selbstgebauten Paletten-Regalen kombiniert. Wo sonst Gäste sitzen und essen, stehen nun helle Holzstühle in Reihe, einer von ihnen muss als provisorischer Tisch für den kleinen tragbaren Beamer dienen. Die Atmosphäre schwankt irgendwo zwischen Projekt-Präsentation in der Uni und Kiezgespräch. Bas van Abel steht locker an einen Getränkekühlschrank gelehnt und tippt auf seinem Smartphone, während sich die letzten Journalisten setzen. In wenigen Minuten wird er ganz bodenständig einen neuen Meilenstein für Fairphone verkünden.

Fairphone 1Bas van Abel ist nach vier Jahren noch immer begeistert vom Konzept Fairphone und vor allem von den neuen Modulen – das spürt man einfach. Und dafür braucht es nicht mal eine ausgeklügelte Präsentation oder Prominente Redner. Das projekt spricht schon fast für sich selbst. Fairphone hat heute Morgen zu einer Pressekonferenz in das Restaurant The Cooks Connection in Berlin geladen, um zwei neue Kameramodule für das modulare Fairphone 2 vorzustellen. Dabei handelt es sich um ein 12-Megapixel Haupt-Kameramodul und eine neue Frontkamera mit 5 Megapixeln. Das klingt besonders in Hinblick auf die anstehende IFA erst einmal unspektakulär, ist aber tatsächlich ein Durchbruch für das Unternehmen. Denn das Fairphone 2 ist das erste fair und nachhaltig produzierte modulare Smartphone der Welt. Mit neuen Modulen wird es nicht nur stärker, sondern vor allem interessanter für Kunden. So kommt Fairphone seinem Ziel – die Art, wie wir Smartphone-Technologie nutzen zu verändern – ein Stück näher.

Fairphone, wer ist das eigentlich?

Das niederländische Unternehmen Fairphone ist immer wieder in den Schlagzeilen. Grund dafür ist das Konzept des Unternehmens: leistungsstarke Smartphones, die die Umwelt schonen und unter fairen Arbeitsbedingungen gebaut wurden. 2013 gründete Bas van Abel das Startup, das inzwischen bereits zwei Smartphones auf den Markt gebracht hat. Die zweite Version des Fairphones erschien 2015 und wurde Ende 2016 als erstes Smartphone überhaupt mit dem Umweltsiegel „Blauer Engel“ ausgezeichnet. Vor allem hierzulande findet das faire Smartphone Anklang: Bereits beim ersten Fairphone kam in der ersten Bestellrunde knapp die Hälfte aller Bestellungen aus Deutschland. „Berlin ist die Stadt in der am meisten Fairphone-Nutzer leben“, erklärt van Abel. Die Zahl derer, die ein faires Smartphone kaufen wollen ist allerdings noch immer sehr gering gegenüber denen, die ein kommerzielles Gerät kaufen – bisher gibt es nur knapp 135.000 Fairphone-Besitzer.

Bas van Abel
Fairphone wurde von Bas van Abel gegründet.

Was bedeutet eigentlich fair?

Fairphone bezeichnet sein Produkt selbst nicht als faires sondern als „faireres“ Smartphone. Bisher kann noch nicht alles zu hundert Prozent fair bewerkstelligt werden. Fair ist bisher aber einiges: Tantal, Zinn, Gold und Wolfram werden für das Fairphone konfliktfrei gewonnen. Diese Stoffe werden häufig in Minen abgebaut, die zur Finanzierung von Kriegen genutzt werden. Bei Fairphone ist das anders: Die Minen liegen nicht in Konfliktgebieten und das Unternehmen steht in engem Kontakt zu den Minenbetreibern, um regelmäßig die Arbeitsbedingungen zu kontrollieren. Zudem bekommen die Arbeiter in der Hersteller-Fabrik in China einen Extralohn und auch hier werden die Arbeitsbedingungen regelmäßig überprüft. Ein dritter Punkt ist das Thema Nachhaltigkeit. Fairphone unterstützt zum einen das Projekt Closing the Loop, das sich um umweltfreundliches Recycling von Smartphones kümmert. Fairphones sollen außerdem so lange wie möglich genutzt werden. Das wird zum Beispiel durch ein modulares Konzept erreicht, das es dem Nutzer ermöglicht sein Smartphone selbst zu reparieren – teilweise sogar ohne Werkzeug. Zudem kann das Smartphone ohne Garantieverlust gerootet werden. Die Software – aktuell Android 6 – bekommt vom Hersteller im Monatstakt Sicherheits-Updates.

Im Gegensatz zu anderen Herstellern steht das niederländische Startup außerdem für Transparenz. So legte das Unternehmen sowohl für das Fairphone als auch für die zweite Version alle Kosten offen. Das Fairphone 2 kostet 525 Euro, davon sind 118 Euro Steuern, 340 Euro werden für die Produktion benötigt, Design und Entwicklung kosten 33 Euro, der Geschäftsbetrieb 25 Euro. Übrig bleiben schmale 9 Euro, die den Gewinn des Konzerns ausmachen. Dieser wird als Sicherheit für unerwartete Kosten und zusätzliche Investitionen in soziale Projekte genutzt.

So einfach kann das Fairphone auseinandergebaut werden:

Modularität – für herkömmliche Hersteller kein Erfolgsrezept

Ein Smartphone, das nach Lust und Laune aufgepimpt oder bei Bedarf repariert werden kann: Das war auch die Idee von Googles Project Ara, das im vergangenen Jahr scheiterte. Für Fairphone läuft es hingegen erstaunlich gut. Das Unternehmen kann sich vor Bestellungen kaum retten, wie auf der Pressekonferenz deutlich wird: „Das Fairphone 2 war so schnell ausverkauft, dass die Liste derer, denen wir absagen mussten, in kurzer Zeit immer länger wurde“. Eine neue Charge steht aber bereit und wird bei der Auslieferung direkt mit den neuen Kameramodulen ausgestattet sein. Trotz vergleichsweise knappen 12 und 5 Megapixeln, machen die Kameras sehr gute Fotos, die sich durchaus mit den Bildern der Konkurrenz messen können. Wer sein Fairphone 2 noch aufrüsten möchte, zahlt für beide Kameras im Set 70 Euro und kann sie ab dem 1. September bestellen.

Bodenständig, angenehm

Wenn Samsung oder Apple ihre neuen Produkte präsentieren, dann können die Zuschauer mit einer pompösen Show rechnen, die perfekt durchinszeniert ist – Keine Versprecher, keine Probleme mit dem Beamer, perfekte Musik. Alles ist groß und großartig. Dass das vollkommen überflüssig sein kann, hat Fairphone heute eindrucksvoll erwiesen. Der niederländische Hersteller kennt seine Ziele genau und weiß, dass weniger manchmal mehr ist. Und so ließen CEO Bas van Abel und Olivier CTO nach einer kurzen Vorstellung und Fragerunde auch schon das Smartphone für sich sprechen. Bodenständige Atmosphäre, einfache Worte: Das kann schon ausreichen, um ein Smartphone zu präsentieren, das viel mehr zu bieten hat als High-End-Technologie.

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