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Huawei OS – Ein Hersteller auf eigenen Wegen?

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Die Vorherrschaft der greifbaren Materie, der wohlig vor sich hinschnurrenden und von Menschenhand gesteuerten Maschinen geht unweigerlich zuende. Ganze Industrien werden dabei umkrempelt, der unübersehbare Siegeszug der Software über die Hardware lässt alte Branchen verschwinden und neue Berufszweige entstehen. Wir erleben heute die immer wieder heraufbeschworene (oder befürchtete) technologische Revolution – hin zur Herrschaft der Daten und weg vom Diktat der Mechanik. Nun springen auch Hardware-Hersteller auf den Software-Zug auf.

Kleine Anekdote aus der Welt der Automatisierung: In China, lange Zeit als „Werkbank der Welt“ bekannt, fürchten heute Hilfsarbeiter um ihre Stellen, weil sich abzeichnet, dass selbst einfachste Arbeiten zukünftig von Robotern ausgeführt werden könnten – und zwar rentabel! Zur gleichen Zeit bietet Tesla, Luxusvorreiter der Elektrofahrzeughersteller weltweit, eine Modellvariante seines Erfolgsmodells Tesla S an, das mehr Reichweite und Autopilot bietet. Einziger Unterschied gegenüber der Basisversion: Ein Softwareupgrade. Ja, ja – ein Schelm, wer Böses dabei denkt, aber in der Tat: Immer öfter kommen heute Hardware und Software aus einer Hand. Und die Bedeutungswaage neigt sich eindeutig in Richtung Software, während die Hardware, egal wie diffizil, zum verlängerten Arm ihres digitalen Piloten verkümmert. Zug der Zeit könnte man meinen. Aber was in Fachpublikationen und Wirtschaftsforen noch hochtrabend als „Industrie 4.0“ diskutiert wird, hat am Ende ganz handfesten Einfluss darauf, wer darüber bestimmt, was eine Maschine wann und wie tut.

Wie sich ein so gravierender Bedeutungsverlust anfühlt, erleben derzeit auch die Smartphonehersteller weltweit. Obwohl Android-Mutterkonzern Google einst ganz auf Fairness getrimmt war („Don’t be evil“), lässt sich ihre Abhängigkeit vom Suchmaschinengiganten nur noch als erdrückend bezeichnen. Denn während Apple vom Ruhm vergangener Tage zehrt und mit stagnierenden Absatzzahlen kämpft, läuft heute auf 4 von 5 Smartphones weltweit Googles Android. Einstige Branchenschwergewichte wie Nokia sind (mitsamt eigenem Betriebssystem Symbian) ebenso auf der Strecke geblieben wie Blackberrys OS. Jüngstes Opfer ist Windows 10 – für das Microsoft angekündigt hat, es künftig gezielt nur noch auf die Bedürfnisse professioneller Nutzer abzustimmen.

China-Phones
Seit einiger Zeit immer erfolgreicher: Smartphones aus China

Huawei auf dem Weg zum eigenen Betriebssystem

Nun wagt ein Hardwarehersteller den Schritt aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit: Der chinesische Netzwerkspezialist und Smartphone-Riese Huawei arbeitet Gerüchten zufolge an einem eigenständigen Betriebssystem für den Fall, dass kommende Standards künftiger Android-Versionen allzu restriktiv ausfallen.
Einen Schritt in die gleiche Richtung hatte bereits Weltmarktführer Samsung unternommen. Das firmeneigene Betriebssystem Tizen OS hat die Feuertaufe, mit einiger Mühe zwar, schließlich doch bestanden. Ein im vergangenen Jahr angelaufener Test konnte mit immerhin rund 3 Millionen verkauften Exemplaren als Achtungserfolg verbucht werden.

Wie eine gelungene Synthese aus Hard- und Software aussehen kann, macht Apple seit Jahren vor, mit allen Vorteilen, die sich daraus für die einstige Jobs-Maschine ergeben. Allein schon von der Variabilität eines firmeneigenen Betriebssystems können die anderen Hersteller bislang nur träumen – gleiches gilt aber auch für einen anderen Faktor: Die damit einhergehende Kontrolle. Hier dürfen die Ohren durchaus gespitzt werden, handelt es sich bei Huawei doch um ein rein chinesisches Unternehmen; zwar in Privatbesitz, aber eben unter Kontrolle der regierenden KP. Und dass man im Reich der Mitte bislang wenig erbaut war von der Abhängigkeit von US-amerikanischen Systemen gilt als offenes Geheimnis.

Vielfalt als Ende der Freiheit?

Ein zunächst für den chinesischen Markt konzipiertes Betriebssystem könnte schnell auch anderen Herstellern auf dem dortigen Markt per Erlass zur Vorschrift gemacht werden – mit allen denkbaren Konsequenzen – von Netzsperren bis hin zur Permanentüberwachung – wenigstens für chinesische Nutzer. Denn für welchen Kundenkreis Huawei sein eigenes OS konzipiert, ist derzeit ebenfalls unbekannt. Dass aber die Sorge vor unerwünschter Ausspähsoftware aus Fernost gar nicht so fern liegt, hatte sich bereits im vergangenen Jahr gezeigt, als Experten des Internetsicherheitsdienstes G Data Überwachungssoftware auf mehr als 250 Smartphones aus China entdeckt hatten. Damals waren zunächst nur Smartphones sogenannter Budget-Hersteller betroffen, vereinzelt aber auch Geräte bekannterer Marken. Ein Firmware-Fix oder ein Umstieg auf ein alternatives Betriebssystem boten damals noch einen praktikablen Ausweg aus der Spähfalle. Einem kompletten Betriebssystem die „Überwachungsflausen“ auszutreiben dürfte sich allerdings als deutlich schwieriger erweisen.

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