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Nachhaltigkeit und Smartphone – Passt das zusammen?

Nachhaltigkeit
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Alle zwei Jahre ein neues Smartphone. Das ist mittlerweile die Regel auf dem Markt. Wer einen Vertrag hat, bekommt das neue Gerät meist automatisch nach Ablauf der zwei Jahre und selbst Prepaid-Nutzer sind nach dieser Zeitspanne meist gezwungen ein neues Handy zu kaufen. Denn Software-Updates gibt es dann schon keine mehr und zumindest der Akku hat merklich an Kapazität verloren. Der Griff zu einem Neugerät ist naheliegend. Das will die Deutsche Umwelthilfe verändern. Sie sieht Hersteller, Politik und Verbraucher in der Verantwortung und fordert einen bewussteren Umgang mit der mobilen Technik.

Wie viele Smartphones hattest Du schon in Deinem Leben? „Zu viele“ lautet der Tenor eines aktuellen Statements der deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Umweltschützer wollen Kunden, Hersteller und Politik auf den verschwenderischen Umgang mit Kommunikationsgeräten aufmerksam machen. Dazu hat der Verein das Produktdesign, das Vertragsangebot, die Geräteunterstützung, die Entsorgungslösungen und Marketingstrategien von 25 Herstellern, Telefonie- und Internetanbietern untersucht. Das Ergebnis: Wir produzieren, verwenden und entsorgen zu viel.

In Zahlen ausgedrückt sieht das Ganze so aus: 24 Millionen Smartphones werden jährlich verkauft. Mindestens 1.531 Tonnen Kunststoff stecken in den Smartphones des vergangenen Jahres. Zudem sollen 120 Millionen Smartphones und Handys in den Schränken der Verbraucher liegen. Die darin enthaltenen Rohstoffe könnten recycelt und für neue Geräte benutzt werden. Stattdessen gehen sie so aber dem Kreislauf verloren.

Die Politik muss reagieren

Laut dem DUH muss die Bundesregierung nun reagieren. Sie sollte umweltfreundliche Dienstleistungen und Produkte finanziell fördern. Außerdem fordert der Verein Standards für Ökodesign und verbindliche Zielquoten für die Sammlung, Wiederverwertung und den Einsatz von recycelten Stoffen.

„Um immer kürzer werdende Produktzyklen zu stoppen, muss die Bundesregierung die Rahmenbedingungen verändern. Dienstleistungen zum Erhalt von IKT-Geräten müssen im Vergleich zum Ressourcenverbrauch durch neue Produkte steuerlich begünstigt werden. Auch besonders umweltfreundliche Geräte, wie zum Beispiel gebrauchte Smartphones, sollten durch finanzielle Anreize für Verbraucher interessanter gemacht werden.“

Barbara Metz, Bundesgeschäftsführerin der Deutschen Umwelthilfe

Smartphone Umweltschutz
Nachhaltig mit Smartphones umzugehen ist gar nicht schwer. Jeder einzelne kann verantwortlicher mit der Technik umgehen und langfristig die Umwelt schonen.

Hersteller sollen Hardware und Software bereitstellen

Der Bundesgeschäftsführerin der DUH zufolge sollten Smartphone-Hersteller ihren Kunden langfristig Software-Updates zur Verfügung stellen, damit die Smartphones so lange wie möglich genutzt werden können. Doch die Software allein ist nicht genug, auch die Hardware soll lange mitspielen. Deshalb sollten Hersteller auch originale Ersatzteile kostengünstig und Reparaturanleitungen sogar kostenlos anbieten. Gerade die Teile, die am schnellsten kaputtgehen, wie der Akku und das Display, sind heutzutage nur schwer kostengünstig auszutauschen. Einige Hersteller bestrafen es sogar, wenn Teile nicht von einem autorisierten Händler ausgetauscht werden, der dafür natürlich meist einen saftigen Preis verlangt. Bisher entscheiden Hersteller komplett selbst, welche Updates es gibt und ob Ersatzteile angeboten werden. Asus, Shift und Fairphone werden in diesem Fall als gute Beispiele genannt. Auch Apple und Samsung werden in der Mitteilung des DUH hervorgehoben, da beide Hersteller immer mehr auf recycelte Rohstoffe setzen.

Eine andere Lösung: Leasing-Smartphones

Rcycling Smartphone
Viele Rohstoffe können aus recycelten Smartphones gewonnen werden.

Ebenfalls umweltfreundlich wären auch Leasing-Smartphones. Wer ein Smartphone nicht kauft, sondern nur für einen gewissen Zeitraum least, muss es am Ende wieder zurückgeben. Das gebrauchte Gerät landet nicht in der Schublade und wird vergessen, sondern kommt wieder zurück in den Kreislauf und kann weiterverwendet werden. In diesem Fall könnten besonders langlebige Smartphones zum Einsatz kommen und gefördert werden. Telefónica, Vodafone und die Telekom nehmen bereits Geräte zurück, reparieren diese und verwenden sie wieder. Der deutsche Smartphone-Hersteller Shift hat das Smartphone-Leasing bereits eingeführt und auch direkt einen Anreiz für das Zurückbringen der Geräte geschaffen. 22 Euro Pfand bezahlt jeder Kunde für sein Gerät.

Immer das Neueste

Was sagen Hersteller und Wirtschaft dazu? Der Geschäftsführer des Digitalverbandes Bitkom hat sich gegenüber der TAZ zum Thema geäußert. Er sagte, dass ein zusätzliches Gesetz das Problem nicht lösen würde. Ihm zufolge würden neue Geräte gekauft, weil „die Nutzer immer das neueste Gerät haben wollen“, nicht weil Smartphones kaputtgehen. Die Herstellung von Ersatzteilen sei für die Halde.
Dass Nutzer immer das neueste Gerät haben wollen, liegt allerdings auch daran, dass Hersteller jährlich zahlreiche neue Geräte produzieren. Wenige Hersteller, wie zum Beispiel Fairphone und Shift, bringen weniger als einmal im Jahr ein neues Smartphone auf den Markt. Sie setzen dafür auf modulare Geräte, deren Komponenten ausgetauscht werden können, wenn die Technik veraltet ist. Auch LG soll in Zukunft nicht mehr auf den jährlichen Zyklus setzen. CEO Jo Seong-jin hatte auf der CES in Las Vegas gesagt, dass LG nur noch neue Smartphones vorstellen wolle, wenn sie gebraucht würden, nicht mehr, um dem Konkurrenzdruck standzuhalten.

Das solltest Du tun

Reparatur Smartphone
Wer nachhaltig mit der Technik umgeht, lässt sein Gerät reparieren.

Du hilfst der Umwelt schon, indem Du Dein Smartphone möglichst lange nutzt. Außerdem macht es Sinn ein Gerät zu kaufen, das einfach zu reparieren ist und lange Updates bekommt. Wer technisch bewandert ist muss sich nicht auf die Software-Updates des Herstellers verlassen, sondern kann selbst über sogenannte Custom-ROMs selbst dafür sorgen, dass sein Smartphone softwaretechnisch auf dem neuesten Stand ist. Wer sein Handy lange nutzen möchte, der sollte von Anfang an darauf achten, dass es gut geschützt ist. Displayhüllen und Schutzfolien sichern Dein Handy und fangen den einen oder anderen Sturz ab. Ist das Smartphone tatsächlich kaputt, kannst Du es bei Providern oder Wertstoffhöfen abgeben. Übrigens kannst Du schon beim Kauf auf Umweltfreundlichkeit achten. Das Fairphone hat beispielsweise das Umweltzeichen der „Blaue Engel“ erhalten. Auch Tests von Stiftung Warentest und Ökotest helfen bei der Auswahl eines umweltfreundlichen Smartphones.

Fashion Bloggerin

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