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Faires Phone oder Hightech: Deine Entscheidung

Faires Phone oder Hightech: Deine Entscheidung
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Beim Kauf eines neuen Smartphones zählen für die meisten Nutzer vor allem Aussehen, Leistung und Funktionalität. Wer sich ein Fairphone zulegt, legt jedoch auf ganz andere Dinge Wert. Hier zählen Nachhaltigkeit, Arbeitsbedingungen und Herkunft der Rohstoffe. Aber ist ein Smartphone, das von Samsung oder Apple kommt per se „unfair“?

Fairphone ist ein niederländisches Unternehmen, das es sich schon 2013 zur Aufgabe gemacht hat, ein fair produziertes Smartphone auf den Markt zu bringen. Dass das nicht ganz so einfach ist, lernte der Hersteller schnell. Denn nicht alle Komponenten eines Smartphones lassen sich fair beschaffen und produzieren. Deshalb nennt Fairphone seine Smartphones auch „fairer“ Phones – weil sie nicht zu 100 Prozent aber zumindest zum größten Teil fair produziert werden. Fairphones sind besonders bei Deutschen Smartphone-Besitzern beliebt: Fast die Hälfte aller Fairphones werden von deutschen Nutzern gekauft, die meisten Smartphones landen sogar in unserer Hauptstadt. Und die Nachfrage wächst: 2016 bestellten so viele Menschen ein Fairphone 2, dass der Hersteller zahlreiche Kunden vertrösten musste. Trotzdem greifen vergleichsweise sehr wenige Kunden zu einem nachhaltigen Smartphone, denn technisch kann es nicht mit den aktuellsten Standards mithalten. Zudem wird das Smartphone auch nicht im Vertrag oder in großen Technikmärkten verkauft. So kommt es, dass gerade einmal 135.000 Menschen ein fair produziertes Handy besitzen.

Das ist fair

Faire Ressourcen: Tantal, Zinn, Gold und Wolfram, werden für das Fairphone konfliktfrei gewonnen. Die Erträge der Minen werden nicht zur Finanzierung von Kriegen genutzt und die Minen liegen in konfliktfreien Regionen.

Faire Arbeitsbedingungen: Die Arbeiter in der Hersteller-Fabrik in China bekommen einen Extralohn und regelmäßig werden die Arbeitsbedingungen überprüft. Auch die Bedingungen unter denen die Minenarbeiter die Rohstoffe schürfen, werden genau unter die Lupe genommen.

Nachhaltigkeit: Fairphone unterstützt das Projekt Closing the Loop, das sich um umweltfreundliches Recycling von Smartphones kümmert. Außerdem sollen Fairphones so lange wie möglich genutzt werden. Das wird zum Beispiel durch ein modulares Konzept erreicht, das es dem Nutzer ermöglicht sein Smartphone selbst zu reparieren – teilweise sogar ohne Werkzeug. Dazu bringt der Hersteller auch neue Module auf den Markt.

Sind alle anderen unfair?

Das lässt sich so nicht pauschalisieren. Vor allem die Arbeitsbedingungen in Herstellerfabriken für Smartphones sorgen immer wieder für negative Schlagzeilen. Samsung wurde 2013 wegen der Bedingungen in einer brasilianischen Fabrik kritisiert. Die Mitarbeiter vor Ort, so wurde berichtet, müssten 10 bis 15 Stunden täglich arbeiten und seien mitunter bis zu 27 Tage durchgängig im Einsatz. Ähnlich schlimm sah es, zahlreichen Berichten aus 2013 und 2014 zufolge, auch in einer Fabrik von Foxconn aus, die Bauteile für Samsung, Apple, Nokia, Motorola, LG und Sony herstellt. Hier hatten sich innerhalb kurzer Zeit viele Mitarbeiter von den Dächern der Fabrik gestürzt, woraufhin der Betreiber Netze zwischen den Gebäuden aufspannte. Um Foxconn war es zunehmend ruhig geworden. Mittlerweile wurde jedoch bekannt, dass der Konzern einen Teil seiner Mitarbeiter durch Roboter ersetzen wolle.

Ein faires Smartphone von Samsung

Recycling
Viele Smartphones sind nach zwei Jahren unbrauchbar. Fairphone will, dass Smartphones länger genutzt werden.

Neben vielen negativen Meldungen, finden sich aber auch positive Informationen: Samsung hat 2013 mit dem Galaxy S4 das erste Smartphone auf den Markt gebracht, das mit dem Nachhaltigkeitszertifikat des schwedischen Unternehmens TCO Development ausgezeichnet wurde. Die TCO-Kriterien sahen vor, dass ausgezeichnete Smartphones kein Nickel abgeben, maximal 0,1 Gewichtsprozent Weichmacher enthalten, mit Headset geliefert werden und einen wechselbaren Akku haben. Außerdem wird von dem Hersteller ein Nachweis dafür verlangt, dass die Kernübereinkommen der Internationalen Arbeitsorganisation ILO erfüllt sind und Gesundheits- sowie Sicherheitsrichtlinien im Produktionsland eingehalten werden. Diese Entscheidung wurde stark kritisiert. TCO erklärte daraufhin, dass die nötigen Kriterien beim S4 erfüllt wurden.

Verbraucher können sich informieren

Noch liegt es am Kunden. Wer sich informiert kann auch ein Smartphone kaufen, das zumindest teilweise fair ist. Dabei hilft zum Beispiel ein amerikanisches Gesetz. Amerikanische Konzerne, die börsennotiert sind, müssen offenlegen, ob ihre verwendeten Rohstoffe konfliktfrei gefördert wurden oder nicht. Dazu verpflichtet sie das Dodd-Frank-Gesetz, das 2010 in Kraft trat. Google und Apple müssen sich zum Beispiel an dieses Gesetz halten. Allerdings gibt es für die Wahrheit dieser Angaben keine Gewähr, denn die Überprüfung soll laut Gesetz „nach bestem Wissen und Gewissen“ durchgeführt werden.

Google gibt beispielsweise an, dass es keine Informationen zu bewaffneten Milizen in den Fördergebieten gäbe, es aber nicht auszuschließen sei, dass die Mineralien aus betroffenen Gebieten stammen. Apple spricht von knapp 80 Prozent konfliktfreien Rohstoffen. Damit wird zumindest der Großteil der benötigten Rohstoffe für das iPhone konfliktfrei gewonnen. Verbraucher können dank des Gesetzes entscheiden, welche Art von Smartphone sie kaufen wollen. Einem Bericht zufolge soll das Gesetz den Abbau der Stoffe Zinn, Wolfram und Tantal durch bewaffnete Gruppen unwirtschaftlich gemacht haben. Einen Haken hat die Sache jedoch: Über Arbeitsbedingungen in Fabriken müssen die Hersteller keine Auskunft geben.

Eine weitere Alternative

Recycling
Ein Teil nachhaltigen Wirtschaftens ist auch das Recycling alter Rohstoffe.

Aktuell kann das Fairphone zwar schon eine ganze Menge, aber nicht mit den Flaggschiffen der großen Hersteller mithalten. Wer Wert auf neueste Technik legt, wird mit einem solchen Gerät also nicht glücklich. Hier muss jeder selbst abwägen, wofür er sich entscheidet. Wer nicht nur gute Technik, sondern auch ein gutes Gewissen möchte, kann mit einem Fairphone einen Anfang machen. Neben dem Gerät aus den Niederlanden gibt es zudem noch eine weitere Möglichkeit, nachhaltig und fair zu kaufen: Das Shiftphone. Die Firma Shift aus Deutschland hat sich die gleichen Ziele wie Fairphone gesetzt: Faire Löhne und Arbeitszeiten, keine Kinderarbeit, konfliktfreies Material. Bleibt zu hoffen, dass sich die großen Hersteller Bewegungen wie diese nicht nur anschauen, sondern auch anfangen in eine ähnliche Richtung zu arbeiten.

Yoga-Lehrerin

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