Startseite News & Trends Die Module spielen verrückt – Project Ara kommt

Die Module spielen verrückt – Project Ara kommt

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Der Titel war einfach zu einladend, aber keine Angst – Es geht nicht um Neunziger-Eurodance! Nein, nein, nicht doch. Erstens hat der Verfasser dieser Zeilen davon seinerzeit genug abbekommen, und zweitens sind wir ein mitfühlendes Unternehmen.

Spätestens jetzt werden einige von Euch schon wissen, wohin die Reise geht – natürlich zu Googles „Project Ara“ – dem so heiß erwarteten Plug-and-Play-Smartphone (noch eine Neunziger-Reminiszenz, herrlich).
Es ist bereits allerorten durch den digitalen Blätterwald gerauscht: Google plant tatsächlich die Veröffentlichung des Steckplatz-Smartphones mitsamt Fertigung in Eigenregie – auch das ein echtes Novum. Bislang hatte es Google strikt vermieden, sich bei der Herstellung seiner Konzeptgeräte selbst in die Höhle der Herstellerlöwen zu wagen. Nexus-Geräte waren in den Fabrikhallen von Herstellern wie Motorola, LG oder Huawei zuhause – Google selbst begnügte sich mit dem Signet als federführende Entwicklermarke. Die Entscheidung für eine eigenverantwortliche Fertigungslinie markiert damit auch einen wichtigen Schritt vom einstigen Software-Only-Konzern hin zum „Gadget +“-Unternehmen.

Das dürfte mit einer der Gründe dafür sein, dass in Mountain View das Rad, pardon – Smartphone, nun doch nicht neu erfunden wird. Offenbar gab es gewichtige Gründe, die gegen ein rein modulares Smartphone sprachen. Ob Hersteller und Investoren ein gewichtiges Wort eingelegt haben, um ihr auf Jahresrhythmen beruhendes Geschäft nicht zu gefährden, ob fertigungstechnische Gründe vorlagen, oder ob am Ende einfach der Marketing-Dämon auf den Addon-Profit spekuliert – wir wissen es nicht. Fest steht – Google hat sich gegen die Revolution entschieden und für die Expansion.

Ziemlich laut war die Kritik an der nun tatsächlich angekündigten Version von Project Ara. Erst hatte sich die Ankündigung einer marktreifen Variante des Hardwareträgers wiederholt verzögert, und nun das: Statt eines frei variierbaren Modulträgers mit Upgrade-Steckplätzen von Kopf bis Fuß wird Googles Aufrüst-Smartphone eher eine Art Basissystem mit festem Display und SoC, Akku und Sensoren sein, das sich bei Bedarf erweitern lässt. Google schweben hier Zusatzkameras, Mikrofone, Zweitbildschirme und ähnliche Spielereien vor. Der Gedanke an LGs „Friends“ drängt sich auf.

Kein Wunder also, dass die Begeisterung in der Community ausgesprochen verhalten ausfiel. Dave Hakkens, geistiger Vater des Ursprungskonzepts „Phonebloks“ kritisiert etwa in einem aktuellen Blog-Post das Project-Ara Konzept deutlich:

“The 6 little blocky modules on the back of the phone are just add-ons like better camera’s, speakers, scanners etc. Things to customise your phone, for fun.

It means your phone still gets obsolete after a while.”

Auch wenn sich Hakkens abschließend verhalten positiv äußert: „Google is by far putting the most effort in the modular phone. They have the balls and resources to try it out. […] But as being one of the most powerful companies in the world with a serious amount of resources available I also think they could do better.”  – dass Google die Grundidee ad acta gelegt hat, ein offenes System für eine weltweite Entwicklercommunity zu schaffen, lässt sich nicht leugnen.

Wir denken: Wer, wenn nicht Google hätte die Möglichkeit gehabt, ein freies und modulares System aus dem Boden zu stampfen? Nun liegt der Ball wieder bei anderen – Schade eigentlich.

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