Mobilfunkmarkt im Aufruhr: DEINHANDY-Studie zu Telekom, o2 und Co.

Die großen Mobilfunkanbieter haben ihre Jahresbilanz 2019 vorgelegt. Von Wachstum über Milliardengewinnen und Umsatzverlusten ist alles dabei. Doch wie sieht die Marktentwicklung aus Sicht des Kunden aus? Die DEINHANDY-Marktstudie zeigt: Es ist nicht alles Gold, was glänzt. 

Den Auftakt machte die Deutsche Telekom: Der Mobilfunk-Riese stellte kürzlich seine Bilanz für das Geschäftsjahr 2019 vor und konnte sich vor lauter Rekordzahlen kaum halten. Der Telekom-Chef Tim Höttges sprach vom erfolgreichsten Jahr in der Geschichte des deutschen Traditionsunternehmens. Rund 80,5 Milliarden Euro erwirtschaftete der Telekommunikationsriese, das sind knapp 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr. Allen voran das US-Geschäft bescherte dem Konzern Milliardengewinne. Die transatlantische Wachstumsstrategie und die Übernahme des dortigen Rivalen Sprint scheint erste Früchte zu tragen. Mithilfe der US-Tochter T-Mobile konnte die Telekom im Jahr 2019 ihren Überschuss um knapp 80 Prozent steigern.

Zuhause stellt sich die Lage indes anders dar. Hier macht dem Konzern zum einen der Ausbau des 5G-Netzes zu schaffen. Zum anderen rückt die Konkurrenz von Vodafone seit der Übernahme des Kabeldienstbetreibers Unitymedia in Sachen High-Speed-Internet immer näher. Die Investitionen in Übersee könnten daher langfristig dem heimischen Geschäft schaden. Ob die Expansionsstrategie aufgeht oder ob der deutsche Kunde am Ende für die Wachstumspläne aufkommt, wird sich zeigen. In Sachen Mobilfunk ist die Telekom bereits heute der teuerste Anbieter für Handyverträge.

DENHANDY-Marktstudie: Zahlt der Kunde den Preis für das Wachstum?

Das zeigt eine Marktstudie, die DEINHADY kürzlich veröffentlicht hat. Die Studie analysiert auf Grundlage von über 200.000 Kundendaten die Preisentwicklung auf dem deutschen Mobilfunkmarkt und kommt zum Ergebnis, dass Telekom-Kunden für das mobile Datenvolumen am meisten zahlen: 1,08 Euro kostet derzeit ein Gigabyte im Magenta-Netz, und damit 5 Cent mehr als bei der Konkurrenz von Vodafone und ganze 45 Cent mehr als im o2-Netz.

Diese Zahlen für sich dürften die Kunden des Bonner Mobilfunkriesen nicht erfreuen. Schaut man allerdings etwas genauer hin, dann könnte das Urteil anders ausfallen. Denn an der Telekom lässt sich besonders eindrücklich ein Trend herausarbeiten, den Markt-Insider länger beobachten: den Preisverfall, der in den letzten Jahren allen voran Bundles (Handyverträge mit Handy) befallen hat. Mobilfunk-Kunden, so die Analyse, bekommen inzwischen immer mehr Datenvolumen für weniger Geld.

DEINHANDY-Marktstudie: Preisentwicklung Datenvolumen

Die DEINHANDY-Studie untersucht die Preispolitik der drei großen Mobilfunkanbieter im Zeitraum von Januar 2018 bis Dezember 2019 und stellt fest, dass bei allen drei Providern das Datenvolumen bei neuen Handyverträgen kontinuierlich günstiger wird. Allerdings tritt das nirgendwo so deutlich zutage, wie im Fall der Deutschen Telekom: Kostete etwa im Januar 2018 ein Gigabyte noch 5,25 Euro, waren es bereits im Januar des nachfolgenden Jahres lediglich 2,02 Euro, bevor sich der Preis Ende 2019 nochmal beinah halbierte.

DEINHANDY-Marktstudie: Preisentwicklung Mobilfunkanbieter

Damit passt die Telekom die Preise immer wieder nach unten an, ohne in Sachen Netzabdeckung an Qualität einzubüßen. Schließlich schneidet das D1-Netz seit über zehn Jahren in den großen Vergleichen immer als Testsieger ab: Die Telekom hat also mit Abstand die beste Netzabdeckung. Damit ist klar – das Unternehmen gibt seinen Erfolg an die Kunden zurück.

o2: Mit Kampfpreisen um Kunden werben

Ganz anders die Bilanzzahlen der Telefónica. Der o2-Netzbetreiber fuhr zwar im Geschäftsjahr 2019 erneut Verluste ein, kann aber zeitgleich mit wachsenden Kundenzahlen punkten. Der Konzern hat im letzten Jahr stolze 1,45 Millionen neue Vertragskunden im Bereich Mobilfunk hinzugewonnen. Mehr als jeder andere Anbieter auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, wie die Spanier mit einer kleinen Spitze Richtung Konkurrenz verkündeten. Verantwortlich hierfür ist die Preispolitik.

o2 ist mit Abstand der günstigste Mobilfunk-Provider in Deutschland, wie die DEINHANDY-Marktstudie eindrücklich zeigt. Ein Gigabyte im o2-Netz kostet derzeit 0,63 Euro, damit ist Telefónica unter den Netzanbietern der Preisschlager schlecht hin. Die Spanier sind nicht nur die günstigsten, sondern experimentieren auch immer wieder mit der Preisstruktur. Schließlich sind sie der einzige Player auf dem Markt, der in den letzten zwei Jahren nicht nur auf Preissenkung setzt. So kostete etwa im Januar 2018 ein Gigabyte im o2-Netz 1,73 Euro, im Januar 2019 waren es mit 0,71 Euro ca. 1 Euro weniger. Im zweiten Quartal 2019 stiegen die Kosten jedoch auf 1,02 Euro erneut an, was zeigt, dass die Telefónica ihre Glücksformel weiterhin sucht – und dafür auch neue Wege einschlägt.

Paukenschlag: Abschaffung des Datenvolumens

Dazu zählt auch der neue Vorstoß, der den Mobilfunkmarkt mächtig aufwirbelt: Der Angriff auf die Tarifstruktur. Anfang 2020 rief Telefónica Deutschland das Jahrzehnt des Mobilfunks aus und machte das an neuen Tarifen fest. Seit Februar finden sich im Portfolio der Spanier echte Flatrates ohne Einschränkung des Datenvolumens. Drei neue o2-Free Unlimited Pakete lassen Kunden nicht nur unbegrenzt simsen und telefonieren, sondern bieten auch Surfen ohne Datenlimit an. Lediglich die Geschwindigkeit unterscheidet die drei Free-Tarife voneinander. Ein neuer Ansatz, der die Konkurrenz unter Zugzwang setzt, denn das Angebot von o2 bleibt – Flatrate hin oder her – immer noch deutlich unter den gängigen Tarifen der Telekom und Vodafone. Diese Bewegung ist aus Sicht des Endverbrauchers ein positives Signal. Schließlich bedeutet das voraussichtlich eine größere Auswahl, bessere Angebote und mehr Schnäppchen.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

o2 setzt also ein Zeichen, allerdings hat das scheinbar seinen Preis. Denn zeitgleich zu den positiven News folgte eine Rüge der Bundesnetzagentur. Die Telefónica – so die Netzaufseher – komme ihrer Versorgungspflicht nicht nach. Der Konzern schaffe es schließlich seit Jahren nicht die abgesprochene Mindestabdeckungsquote für LTE-Netze zu erreichen. Damit kommt auf das Unternehmen vermutlich eine Strafe in Millionenhöhe zu. Für Mobilfunk-Kunden ist die Botschaft klar: Vor dem Abschluss eines Handyvertrags gilt es zuerst die Netzabdeckungskarte für die eigene Region zu prüfen, bevor man beim ein oder anderen Schnäppchen zuschlägt. Oder wie die alte Weisheit besagt – Prüfe, wer sich ewig bindet!

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