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Bye, bye Allo – Darum bleibt die große Mehrheit bei WhatsApp

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Dass sich mit Nachrichten Geld verdienen lässt, ist nicht erst seit Erfindung der Briefmarke bekannt. Facebook war der Zugang zum Massenkommunikator WhatsApp 19 Milliarden Dollar wert – und dass, obwohl WhatsApp noch nie einen Cent Gewinne geschrieben hat. Doch in der digitalen Welt geht es zuweilen zu wie in Großmutters Küche: Die wichtigste Zutat ist Geduld. Mit mehr als einer Milliarde Nutzer ist der Kurznachrichtendienst mittlerweile marktbeherrschend – zumindest in der westlichen Hemisphäre. Kein Wunder also, dass Suchmaschinenpionier Google gerne ein Stück vom Kuchen abhaben will – mit seinem eigenen Messenger Allo.

Erinnert sich jemand an Google Hangouts? Googles ersten schlafmützigen Versuch, auf den Skype-Hype der ersten Hälfte der 2010er Jahre aufzuspringen?
Nein? Macht nix – nichts verpasst. Nun unternimmt Google abermals den Versuch, einem marktbeherrschenden Player den Rang abzulaufen. Vorgestellt am 21. September auf der Google I/O ist Allo seit 23. September auch in Deutschland verfügbar – und nebst großzügiger Präsentation auch mit einigen Vorschusslorbeeren an den Start gegangen.

Installation

Mit ungefähr 11 MB bewegt sich die Installationsdatei im erwartbaren Rahmen. Die Installation ist gewohnt unkompliziert, und nach Eingabe des individuellen Bestätigungscodes, der per SMS zugesandt wird, kann es auch schon losgehen. Allo orientiert sich damit an der etablierten Praxis, die App direkt mit der Nutzer-Telefonnummer zu verbinden.

Einstieg

Der Einstieg erfolgt überraschend devot: „Wie kann ich zu Diensten sein?“ lautet die erste Frage des Google-Messengers. Schon hier hebt sich Allo vom Angebot anderer Entwickler ab, denn die Integration des sprachgesteuerten Begleiters Google Assistant in die App offenbart sogleich, dass wir es hier mit der KI von einem der großen Drei zu tun haben – ein Extra, das so allenfalls noch Microsoft (Cortana) oder Apple (Siri) besteuern könnten. Ebenfalls kein Wunder, dass bereits vor der ersten Kontaktaufnahme mit einem echten Menschen ein Chat geöffnet ist: Mit dem Google Assistant.

Google Assistant als Dauerkontakt

Der Google Assistant ist auf zwei Ebenen Verfügbar: Als eigenständiger Channel oder -bei Bedarf- als Informationsbeschaffer im laufenden Gespräch. Wer sich bereits mit Sprachassistenten vertraut gemacht hat, erlebt keine großen Überraschungen. Per Direktzugriff auf Googles

Allo
Übersichtlich, und im original gut integriert: Der Google Assistant

Serverpark werden auch einsilbig gestellte Fragen wie „Pizza um die Ecke?“ zufriedenstellend beantwortet. Praktisch: Auch Weg und Kontaktadresse können zusätzlich abgefragt werden. Wer darüber hinaus Alltagsfragen und Geistesblitze in Informationen verwandeln will, kann dies ebenfalls per Spracheingabe tun: „Zeig mir das Titelblatt des Spiegel“ oder „Achterbahnvideo“ werden ebenso mit passenden Links bedient.

Wer auf die Dienste des Google-Domestiken im laufenden Gespräch zurückgreifen will, muss nichts weiter tun als die Anfangsbuchstaben des Unternehmensnamens im Textfeld einzugeben – bereits auf die Eingabe „Goo…“ wird im Eingabefeld das Assistant-Logo eingeblendet. Eingaben werden nun in Google-Suchanfragen übersetzt, und die Ergebnisse im laufenden Chat eingeblendet.

Lernfähiger Begleiter

Gruselig für die einen, praktisch für die anderen. Googles Assistant lernt mit jeder Suchanfrage dazu und speichert, welche Quelle ein Nutzer zur Beantwortung seiner Fragen bevorzugt. Wer z.B. vorrangig Wikipedia-Artikel aus den Antwortvorschlägen auswählt, bekommt in Zukunft verstärkt entsprechende Artikel aus der digitalen Enzyklopädie präsentiert.

Sprachbarriere deutsch

So gut der Assistant bisher auf der technischen Seite auch funktioniert – ein großes Manko gibt es noch: Mit Deutsch als Sprache hadert er noch. Vollständige Sätze werden bislang inhaltlich abstrahiert: „Entschuldigung, ich lerne gerade noch Deutsch, aber in der Zwischenzeit kann ich das auf Google für Dich suchen.“ Die Ergebnisanzeige funktioniert zwar in der Praxis halbwegs, ist jedoch von einer echten Verknüpfung von KI und menschlichem Gegenüber noch ein gutes Stück entfernt.

Unspektakuläre Grundausstattung

Allo Emojis
Nette Spielerei – Emojis und Sticker

Beim Funktionsumfang bekommt der Nutzer solide Hausmannskost. Die Einbindung von Fotos, Videos und Links funktioniert ebenso simpel wie die Schnellaufnahme von Sprachnachrichten. Wer sich in Gruppenchats durch besondere Betonung hervorheben will, kann seine Schriftgröße entsprechend anpassen – je nach gewünschter Intensität entweder besonders klein (Flüstern) oder überbordend groß (Schreien). Sticker und Emojis entsprechen der Basis des eigenen Betriebssystems und bei den Grundeinstellungen lassen sich Signale und Downloads an- und abstellen.

Datenschutz wird eher klein geschrieben.

Ein Inkognito-Modus, der einen Chat nach voreingestelltem Ablauf automatisch löscht, ist bei Allo ebenfalls mit an Bord – Snapchat lässt grüßen. Ärgerlich: Nur Chats im Inkognitomodus werden Ende-zu-Ende-verschlüsselt. Noch unappetitlicher ist der Umgang mit unverschlüsselten Gesprächen: Sie werden samt und sonders von Google auf den hauseigenen Servern gespeichert. Zuvor war noch gemunkelt worden, Google würde bei seinem neuen Messenger mehr Rücksicht auf datenschutzrechtliche Bedenken nehmen. Letztlich hat sich das Konzerninteresse an Nutzerinhalten durchgesetzt. Google selbst rechtfertigt dieses Vorgehen mit technischen Gründen – nur eine breite Datenbasis ist demnach geeignet, kontinuierliche Verbesserungen an der Antwortwortroutine des Assistant vorzunehmen. Ein Narr, wer Böses dabei denkt.

Fazit: Konkurrenz oder Kopie?

Allo Inkognito
Inkognito-Modus mit Fire-and-forget: Nettes Feature á la Snapchat

Die Dienste des Suchmaschinenriesen Google sind im Alltag unverzichtbar. Wann immer wir Informationen suchen, Mails verschicken, Dokumente teilen oder einfach mit dem Smartphone hantieren, besteht eine verdammt gute Chance, dass wir es mit einem Produkt oder Service aus der Mountain-View-Verwertungskette zu tun haben. Sobald es aber um die zweite Ebene geht, beginnt der Motor zu stottern. Denn Allo ist nicht schlechter als WhatsApp, aber besser? Ob die Integration eines Sprachassistenten genügt, um WhatsApp spürbar Nutzer abzujagen, bleibt fraglich. Denn die Idee an sich ist gut – allerdings fehlt es an Konsequenz. Wenn darüber hinaus persönliche Suchanfragen dazu genutzt werden, ein noch passgenaueres und in erster Linie besser verwertbares Nutzerprofil anzulegen, bleibt das Recht auf Privatsphäre auf der Strecke. Allo ist nach Googles eigenen Ankündigungen lediglich als eine Baustein auf dem Weg ins „Internet of Things“ zu sehen. Auch der in Kürze erscheinende Konkurrent zu Amazons „Echo“ – Google Home genannt – soll mit Allo verknüpft werden. So dürfte die Spracheingabe in Zukunft häufiger dazu beitragen Informationen zu bekommen (und Sie Google frei Haus zur Verfügung zu stellen). Schade, dass ein -für deutschsprachige Nutzer- unfertiges Produkt auf den Markt geworfen wurde – damit verspielt Google viel vom eigentlichen Charme der App. Das Konzept weist in die Zukunft, die Umsetzung allerdings bleibt bislang erstaunlich unspektakulär.
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