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Der Smombie-verträgliche Straßenverkehr

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Schnell, smart und aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken. Smartphones sind eine Bereicherung für unser Leben. Kein Wunder also, dass wir stets und ständig auf den Taschencomputer starren und unsere Umwelt kaum noch wahrnehmen. Genau das kann schwerwiegende Folgen haben. Denn wer sich auch im Straßenverkehr nur auf sein Smartphone konzentriert, begibt sich in Gefahr. Das beweisen einige Unfälle mit teilweise sogar tödlichem Ausgang.

Eine aktuelle Studie der Dekra ergab, dass 17 Prozent der Fußgänger in europäischen Großstädten mehr auf ihr Handy als auf den Straßenverkehr achten. Smartphones lassen Fußgänger zu wandelnden Zombies, oder sogenannten Smombies, mutieren. Die Folge: Kollision mit anderen Fußgängern, Straßenbahnen und Co. Je nachdem, was gerade im Weg steht. Für das Problem gibt es allerdings einige kreative Lösungen.

Schon vor zwei Jahren hatten die Leute des National Geographic Channels für ein Experiment einen Gehweg in Washington D.C. geteilt. Die eine Seite wurde den Smombies, die andere den normalen Fußgängern zugeteilt. Tolle Idee mit ernüchterndem Ergebnis: Es veränderte sich nichts. Die Leute beachteten weder die Markierungen, noch nahmen sie sie überhaupt wahr. Wer auf sein Handy starrt sieht also meist gar nichts anderes. Damit es trotzdem nicht kracht, gibt es die App „Transparenter Bildschirm“. Während des Tippens und Surfens filmt die Handykamera die Straße, auf der sich der Nutzer bewegt, und blendet den Weg im Hintergrund ein. So sieht man auch, was auf der Straße passiert, ohne den Kopf heben zu müssen.

Text Walking Lane

Gleichzeitiges Gehen und Tippen stört hier niemanden.

Ein Kissen am Laternenpfahl

Die Alternative: gepolsterte Laternenpfähle. Klingt irgendwie nach Kindergeburtstag ist aber tatsächlich schon eingeführt worden. In der Brick Lane in London wurden 2008 die Laternen mit dicken Polstern ummantelt. Dann tut der Aufprall nicht ganz so weh. Ein spannender Fakt am Rande: Laut Verkehrsforschern können Menschen, die ihre Aufmerksamkeit auf das Smartphone gerichtet haben mit Menschen, die einen Alkoholpegel von 0,8 Promille haben, gleichgesetzt werden. Betrunken durch Facebook und WhatsApp werden die Laternen auf der Straße dann einfach übersehen.

Im chinesischen Chongqing wurde ebenfalls beklagt, dass es häufig zu Kollisionen zwischen Smombies und Spaziergängern kam. Die Stadt führte eine 50-Meter-lange Gehwegteilung ein. Auf der linken Seite ist ein großes Handysymbol auf dem Boden abgebildet, auf der anderen Seite ist eben dieses Symbol deutlich durchgestrichen. Ziel des Ganzen: Den Smartphone-Nutzern sollte nicht etwa ein Privileg zuteilwerden. Wichtiger war den Machern der Firma Meixin, darauf aufmerksam zu machen, dass die Benutzung des Smartphones im Straßenverkehr zur Gefahr werden kann. Auch hier ist spannend, was die Teilung bewirkte: Die Spaziergänger wechselten tatsächlich auf ihre Seite. Vorher blieben sie aber der Reihe nach stehen, um ein Foto des außergewöhnlichen Gehwegs zu schießen. Ähnliche Wege gibt es auch in Antwerpen, Brüssel und Bangkok. In einem Einkaufszentrum in Liverpool wurde sogar eine Überholspur eingerichtet. Wer durch wandelnde Smombies beim Shoppen  aufgehalten wird, kann einfach auf diese Spur wechseln und vorbeiziehen.

Neue Ampel – weniger Unfälle?

Smombie-Straßenschild

Hier dürft Ihr beim Spazieren ganz ungestört surfen.

Die Spitze des Eisbergs: Augsburg testet seit letzter Woche spezielle Ampeln für Smombies. Die Blinklichter, die auf dem Boden vor Ampeln und Gleisübergängen angebracht wurden, sind noch dezenter als Gehwegmarkierungen. Sie blinken rot, wenn eine normale Ampel rot wird oder eine Tram einfährt. So sollen Unfälle verhindert werden. Wenn Gehweg-Markierungen schon ignoriert werden, sind Blinklichter dann besser? Das wird sich zeigen. Es stellt sich aber die Frage, ob wir den Straßenverkehr oder unser Verhalten anpassen sollten, um sicher ans Ziel zu kommen. Denn wie heißt es so schön: Augen auf im Straßenverkehr.

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