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Garantie oder Gewährleistung?

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Das neue Smartphone ist kaputt, und der Ärger groß. Aber gibt es da nicht diese Garantie? Oder Gewährleistung? Wir erklären Dir den Unterschied zwischen den beiden und wann Du sie in Anspruch nehmen solltest.

Eine von beiden Leistungen ist ein Abschluss auf freiwilliger Basis, die andere ist gesetzlich vorgeschrieben. Sowohl Gewährleistung als auch Garantie haben Vor- und Nachteile. Im Schadensfall ist es daher günstig zu wissen, welche Möglichkeiten es gibt, um die Reparatur des Smartphones kostenlos oder sogar ein Austauschgerät zu bekommen.

Die Gewährleistung ist gesetzlich verankert

Der Gesetzgeber schreibt den Händlern in §437 des Bürgerlichen Gesetzbuchs die sogenannte Gewährleistung vor. Sie dient dem Schutz des Kunden und beträgt bei Elektronikgeräten 2 Jahre, mit Beginn am Tag des Erhalts der Ware. Innerhalb dieser Zeit muss der Händler für Fehler am Gerät aufkommen. Allerdings handelt es sich nur um Fehler, die beim Kauf des Gerätes schon bestanden. Gewährleistung bedeutet nämlich nichts anderes, als dass der Händler dem Kunden  gewährleistet, dass die Ware zum Zeitpunkt des Verkaufs in einem einwandfreiem Zustand war.

Soweit so gut, gäbe es da nicht den Paragraphen 476, der die sogenannte Beweislastumkehr regelt. In den ersten sechs Monaten liegt die Beweispflicht beim Händler. Das bedeutet, dass er nachweisen muss, dass das Gerät beim Verkauf noch keine Schäden aufwies. Kann er das nicht, so greift die Gewährleistung. Der Kunde kann nun entscheiden, ob er eine Reparatur oder den Ersatz des defekten Geräts möchte. Der Händler kann diese sogenannte Nacherfüllung ablehnen, wenn für ihn dadurch unverhältnismäßige Kosten entstehen oder die Forderung nicht erfüllt werden kann. Sind beispielsweise die Reparaturkosten höher als die Kosten für ein neues Gerät, kann der Händler die Reparatur ablehnen. Der Käufer muss dann akzeptieren, dass er ein neues Gerät als Ersatz bekommt. Fordert der Kunde hingegen ein Ersatzgerät, welches nicht mehr lieferbar ist, wird das defekte Gerät repariert. Für beides muss er dem Händler eine angemessene Frist setzen, üblich sind 2 Wochen. Verstreicht diese, ohne, dass das Gerät ausgetauscht oder repariert wurde, kann der Käufer vom Vertrag zurücktreten oder eine Preisminderung fordern. Gleiches gilt, wenn die Nacherfüllung nicht möglich ist oder die Reparatur zweimal nicht erfolgreich war.

Nach dem sechsten Monat hingegen ist es der Käufer, der beweisen muss, dass es nicht durch Eigenverschulden zum Defekt gekommen ist, sondern dass dieser bereits beim Kauf bestand. Allerdings ist es in der Praxis den meisten Kunden nur durch teure Gutachten möglich, Herstellern einen Produktionsfehler nachzuweisen. Wichtig: Die Gewährleistung wird beim Händler in Anspruch genommen, nicht beim Hersteller. Es sei denn, es handelt sich um ein- und dieselbe Firma.

Tipp: Ist der Kauf des Smartphones noch keine sechs Monate her, ist es sinnvoller, die Gewährleistung zu nutzen. Dank der gesetzlichen Verankerung hat der Kunde bessere Chancen auf eine kostenlose Reparatur oder ein Ersatzgerät. Die Gewährleistung greift nicht bei selbstverschuldeten Schäden und wenn der Mangel schon beim Kauf bekannt war. Auch bei Abnutzung kann die Gewährleistung nicht in Anspruch genommen werden.

Smartphone-Reparatur

Ein Smartphone darf in der Gewährleistung maximal zweimal repariert werden. Anschließend muss der Händler es umtauschen.

Garantiert sicher?

Zur Abgabe einer Garantie ist der Hersteller nicht verpflichtet. Hierbei handelt es sich um eine freiwillige Leistung, was den Firmen viel Spielraum für die Garantiebestimmungen verschafft. Sie bestimmen selbst, welche Garantie sie ihren Kunden geben. Bei Handys z.B. kann die Garantiedauer von Modell zu Modell schwanken – und zwar sowohl die Dauer als auch den Umfang betreffend. So können nicht fest mit dem Gerät verbundene Teile von der Garantie ausgeschlossen werden oder eine andere Garantielaufzeit haben als der Rest. Das ist zum Beispiel bei Akkus der Fall. Im Gegensatz zu allen anderen Teilen des Smartphones gibt der Hersteller für sie meist nur eine Garantie von sechs Monaten.

Hier findest Du eine Übersicht darüber, wie lange verschiedene Geräte abgesichert sind:

Samsung S7 Edge mit Samsung Gear VR-Brille

Samsung

Die Südkoreaner geben eine 24-monatige Garantie auf ihre Smartphones. Der Akku ist davon ausgenommen. Er kann nur 12 Monate reklamiert werden. Jegliches Zubehör, das mitgeliefert oder separat gekauft wurde, wird nur innerhalb einer Zeit von 6 Monaten repariert.

LG G5 mit Zusatzmodulen

LG

Wer ein LG-Smartphone kauft, kann dieses innerhalb von 24 Monaten reklamieren, wenn es Fehler aufweist. Für Zubehör wie der Akkus, Ladegeräte oder Headsets bietet der Hersteller nur eine Garantie von 6 Monaten an.

iPhone 6 mit Kameralinse

Apple

Der Technikriese gibt 12 Monate Garantie auf Bestandteile. Dafür ist Apple der einzige Hersteller, der auf eine 2-Jahres-Garantie für sein Smartphone verzichtet. Allerdings gilt dafür eine vergleichsweise lange Garantiezeit für Zubehör und den Akku.

Sony Xperia Z5 mit Zubehör

Sony

Xperia-Smartphones von Sony werden im Falle eines Defekts innerhalb der ersten 24 Monate vom Hersteller kostenlos repariert. Akku, Ladegerät, Headset bekommen nur dann eine kostenlose Reparatur, wenn sie innerhalb der ersten 12 Monate kaputt gehen.

Huawei P8 mit Akku

Huawei

Das Smartphone aus China soll 24 Monate keine produktionsbedingten Fehler aufweisen. Der Akku muss nach 6 Monaten auf eigene Kosten ersetzt werden. Ladegerät und Kopfhörer müssen sogar nur 3 Monate durchhalten, damit keine Reparaturkosten für den Konzern entstehen.

HTC M9 mit Zubehör

HTC

Bei HTC setzt man bei seinen Smartphones auch auf die Standard-Garantie von 24 Monaten. Beim Zubehör kommt es nicht darauf an, ob es mitgeliefert oder nachgekauft wurde. Es bekommt immer eine Garantie von 12 Monaten.

Zusatzakku für Motorola Moto X

Motorola

Smartphones von Motorola und jegliches Zubehör, das mitgeliefert wurde, soll 24 Monate keine produktionsbedingten Fehler aufweisen. Damit hat Motorola im Vergleich die längste Garantie für Akkus und Zubehör.

Die Garantie in Anspruch zu nehmen lohnt sich, wenn das Gerät vor mehr als sechs Monaten gekauft wurde. Bei der Garantie greift die Beweislastumkehr nicht, was aber nicht bedeutet, dass alle Schäden in der Garantiezeit repariert werden. Auch hier gilt: selbstverschuldete Schäden werden nicht kostenlos repariert. Hersteller versuchen hier natürlich Geld zu sparen und überprüfen ganz genau, ob ein Unfallschaden oder ein Produktionsfehler vorliegt. Handelt es sich um einen Garantiefall, kann der Hersteller das Smartphone so oft reparieren, wie er es für sinnvoll hält. Wie oft genau, ist in den Garantiebestimmungen festgelegt. Ist die maximale Zahl der Reparaturen erreicht, wird das Smartphone meist gegen ein gleichwertiges oder neues Gerät ausgetauscht. Die Garantiebestimmungen der einzelnen Hersteller sollte sich jeder Nutzer genau durchlesen. Meistens ist die Liste dessen, was nicht abgedeckt wird, besonders lang. Wer sich hier zusätzlich absichern möchte, sollte auf eine Versicherung zurückgreifen.

Tablet Garantie

Wer die Garantie in Anspruch nimmt, sollte vorher genau die Bestimmungen zu seinem Gerät gelesen haben.

Kaufbelege und Unterlagen aufheben

Wer einen Defekt an seinem Smartphone feststellt, sollte genau nachschauen, wann er das Gerät gekauft hat und ob es sinnvoller ist, auf die Gewährleistung oder die Garantie zu bestehen. Dazu sollten alle wichtigen Unterlagen zu dem Gerät, wie der Kauf- oder Finanzierungsbeleg sowie Garantiescheine aufgehoben werden. Verbraucherzentralen raten außerdem dazu, die Ware schriftlich, also per Brief oder E-Mail zu reklamieren. Wer das Gerät im Store zur Reparatur einreicht, sollte sich notieren, wer das Gerät angenommen hat und was genau besprochen wurde. Außerdem ist es immer sinnvoll, den Defekt so genau wie möglich zu erläutern, da er dann auch schneller und einfacher behoben werden kann.

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