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Teurer Speicher – Alternativen zur Preisschraube

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Schöne Dinge kosten Geld. Das war schon immer so.
Früher „gönnte“ man sich die kleinen Freuden des Alltags und sattelte alle paar Jahre noch was drauf. Einen Farbfernseher hier, ein neues Auto da, der teure Mantel, die guten Messer. Ja, so waren die Zeiten. Damals.
Der berühmte Alltag ist heute um so manches Kinkerlitzchen reicher als früher. Der eine schwört auf seinen Thermomix, der andere auf sein Bio-Brot, und der Fernseher wächst scheinbar von selbst. Nicht zu vergessen: Smartphones. Alltagsgeräte, zweifellos. Allerdings keine allzu günstigen. Aber wir kommt’s? Nun, Die wichtigsten Faktoren sind auch beim Smartphone dieselben wie bei fast allen anderen Geräten. Am Anfang der Nahrungskette stehen Entwicklung und Fertigung. Obendrauf kommen dann noch Marketingkosten und der avisierte Reingewinn. Die Kosten für Entwicklung und Herstellung sind der stabilste Faktor, mehr Flexibilität haben die Hersteller beim Werbebudget. Aber auch der liebe Gott braucht Glocken, und ein globaler Roll-Out ist alles andere als billig. Die wichtigste Stellschraube ist damit die Marge, die der Hersteller beim Verkauf schneidet.

Nun sind nicht alle Kunden bereit, gleich viel für ein Smartphone zu bezahlen, darum teilt sich der Markt wie so oft in verschiedene Segmente, vom Budget-Gerät bis zum Premium-Device. Dazwischen tummeln sich alle nur denkbaren Zwischenkategorien. Meister der Marge ist bis heute der Primus der Branche: Apple. Wer auch sonst? Rund 400 Euro Gewinn spült jedes iPhone 6s nach Einschätzung von Branchenkennern in Richtung Cupertino. Und Apple hat obendrein eine weitere Stellschraube fest am Markt etabliert: Die Speichergröße. Rund 744€ werden derzeit auf dem deutschen Markt für die kleinste Speichervariante mit 16 GB fällig. Die 64 GB-Variante lässt sich Apple mit 854€ bezahlen, für das Maximum von 128 GB werden sogar fast 1000€ fällig. Rund 2 Euro berechnet Apple damit für jedes weitere Gigabyte. Ein horrender Preis, vor allem wenn man bedenkt, dass sich die Speicherpreise seit Jahren im Sinkflug befinden. Zum Vergleich: Eine SSD-Festplatte mit 128 GB kostet derzeit rund 40 Euro, ein GB liegt hier also bei nur etwas mehr als 30 Cent. Na? Immer noch Lust auf ordentlich Speicher? Und im warmen Speichernest hat es sich eine gesamte Branche reichlich bequem gemacht. Immerhin, es ändert sich etwas am Maßstab. Erst vor einigen Tagen hat das US-Startup Akuymen auf der CES zwei neue Modelle mit 200 und 300 GB internem Speicher angekündigt.
Sehr gut möglich, dass dies der erste Schritt zu günstigerem Speicher für alle ist. Dass Apple und Co. ihre erkleckliche Preispolitik in naher Zukunft ändern, ist zwar unwahrscheinlich. Sollten allerdings kleinere Anbieter damit anfangen, sich über deutlich größeren Speicher am Markt zu etablieren, dürften auch die etablierten Hersteller unter Zugzwang geraten.

Modul ist modern
„Teile und Herrsche” wussten schon die alten Römer. Na gut, sie meinten ein bisschen was anderes. Aber mit etwas Glück gehören Fix-und-fertig-Phones bald der Vergangenheit an. Alle zwei Jahre ein neues Smartphone anschaffen? Schnee von gestern. Die Zukunft gehört modularen Smartphones wie Googles „Project Ara“. Dürfen wir den hauseigenen Zukunftsingenieuren glauben, dann werden Smartphones schon bald regelmäßig aufgerüstet wie klassische PCs. Knapper Speicherplatz und keine Lust auf SD-Karten-Puzzle? Kein Problem: Künftig setzen wir einfach ein weiteres Speichermodul ein und erweitern den Speicher um identische Bausteine mit gleicher Spezifikation. Ironie der Geschichte: Während der sich der klassische Desktop-Rechner immer schlechter verkauft, hält das modulare Konzept nun Einzug beim Smartphone. Erste Beispiele für 2016 sind das Fairphone 2 und Googles Project Ara. Was nun wichtig wird: Ein gemeinsamer Standard für alle Bauteile, und schon könnten praktisch alle Hersteller auf dem Modulmarkt mitmischen.

Die Cloud-Initiative
Einen anderen Weg geht das ehemalige Kickstarter-Projekt Nextbit und setzt auf die Macht der Cloud. Das „Robin“ getaufte Smartphone unterscheidet sich vom etablierten Markt nicht nur durch seinen eigenwilligen Namen: Speicher ist nicht länger ein physisches Konzept. Das Robin analysiert das Nutzerverhalten und lagert lang nicht genutzte Apps und Dateien in die verschlüsselte Cloud aus, sobald das Telefon aufgeladen wird oder mit dem WLAN verbunden ist. Das schont nicht nur Speicherplatz, sondern auch den Akku und das kostbare Datenvolumen.
Dabei bleiben alle Daten permanent verfügbar. Möglich machts eine intelligente Synchronisation: In die Cloud verschobene Apps werden einfach ausgegraut, Bilder herunterskaliert. Sobald die entsprechende Datei wieder benötigt wird, lädt das Robin sie aus der Cloud herunter – mitsamt Einstellungen und Nutzerprofilen. Im Nextbit Robin arbeitet ein individualisiertes Android, das den internen Speicher direkt mit der Cloud mit 100 GB verbindet.

Willkommen im Zeitalter der Brückentechnologien!

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