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Schengen digital? Ach, i wo.

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Urlaubszeit ist Reisezeit. Und die Deutschen reisen für ihr Leben gern. Allein für das Jahr 2013 weist die Statistik rund 71 Millionen Urlaubsreisen aus. Davon entfällt rund ein Drittel auf Inlandsreisen. Das bedeutet, dass bereits 2013 über 45 Millionen Urlauber ins Ausland gefahren sind. 45 Millionen! Und wohl die meisten nehmen ihr Smartphone mit. Ist ja auch zu praktisch. Ein Selfie hier, ein Schnappschuss dort, und das ganze fix ins Netz stellen.

Bis vor einigen Jahren war da noch striktes Aufpassen angesagt. Nicht selten gab es für Vielnutzer nach dem Urlaub ein böses Erwachen und eine Handyrechnung, die sich gewaschen hatte. Denn den Unterwegskomfort ließen sich die Netzbetreiber fürstlich vergüten. Als Begründung führten die Herren der Handymasten dabei praktisch immer dieselben Argumente an: Durchleitungsgebühren, Bürokratie, unprofitabler Service usw.
Glücklich war allein die Presse. Horrormeldungen über Handyrechnungen von mehreren Tausend Euro für einen im Hotelzimmer gestreamten Film garantierten regelmäßig schöne Aufmacher auf Titelseiten und in Ratgeberspalten. Nicht ganz zu Unrecht – manch unbedarfter Reisender konnte sich der grotesk anmutenden Rechnungen nur mit viel Geduld und anwaltlicher Hilfe erwehren.

Die Sache lief augenscheinlich aus dem Ruder, und gefragt war ein europaweit einheitliches Vorgehen gegen den offenkundigen Missbrauch von Roaminggebühren. Die EU reagierte also, wenn auch nur zögerlich. Und seit 2007 gelten Preisobergrenzen für Telefongespräche und SMS, seit 2012 auch für den Datenzugang. Logisch, denn mit zunehmendem Ausbau der europaweiten Infrastruktur (nicht selten großzügig von den jeweiligen Landesregierungen gefördert) und dem Zusammenwachsen des europäischen Handymarkts sind die meisten Argumente der Provider obsolet geworden.
Also alles gut? Mitnichten. Erst im April 2014 hatte sich das Europäische Parlament eigentlich dafür ausgesprochen, die Roaminggebühren endgültig zu verbieten, der Europäische Rat war da leider von vornherein skeptischer.

Und nun bahnt sich die befürchtete Kehrtwende an. So sollen nach einem Papier des Europäischen Rats die Roaminggebühren für Handy-Gespräche doch nicht abgeschafft werden.
Konkret ist scheinbar geplant, ab 1.1.2016 bei Anrufen aus dem Ausland nur 50 Minuten pro Jahr zum Inlandstarif zu gestatten. Jedes Mehr bedeute weiterhin Roaminggebühren. Gleiches gilt für lediglich 50 SMS pro Jahr. Bei der mobilen Datenübertragung sollen 100 Megabyte pro Jahr(!) zum Inlandstarif vorgesehen sein. Wer diesen Wert bei Auslandsreisen überschreite, müsse die bekannten Aufschläge zahlen, derzeit 20 Cent pro MB.
Sollte das Papier Grundlage einer neuen Richtlinie werden, dürften wir uns auf eine Zementierung des Status quo gefasst machen – aber warum eigentlich?
Nun, die Antwort ist naheliegend. Es geht natürlich um viel Geld. Denn selbstverständlich bieten alle großen Provider Extra-Tarife für Urlaubssurfer und Auslandstelefonierer an – und machen damit die Norm zum Geschäft. Kein Wunder also, dass die ehemalige luxemburgische EU-Kommissarin Viviane Reding die Pläne laut Bild als “Schande” bezeichnet hat. “Eigentlich müsste es einen Volksaufstand geben! In geheimen Brüsseler Ministerialrunden wird beschlossen, den Leuten weiter das Geld aus der Tasche zu ziehen”.

Na, vielleicht waren es auch eher geheime Brüsseler Lobbyrunden.
Wie dem auch sei – es bleiben immer noch Alternativen. Urlaub vom Handy, sparsame Nutzung – oder der Kauf einer Prepaidkarte im jeweiligen Reiseland. Unser Tipp: Noch vor Abreise im Netz informieren und SIM-Karte bestellen – und aus der Not eine Tugend machen.

Quellen:
http://goo.gl/wfdDdy
http://goo.gl/gnKROL
http://goo.gl/4JD04O

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