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Don’t push me…

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„Touchscreen“ sagte meine Freundin, als ich sie fragte, was für sie am typischsten am Smartphone ist. Gut, wenig überraschend. So oder ähnlich würden wohl die meisten von uns antworten. Und In der Tat, der offensichtlichste Unterschied zwischen klassischem Handy und modernem Smartphone ist der bedienbare Bildschirm. Dabei hat doch eigentlich alles ganz anders angefangen, und zwar sehr viel gegenständlicher.

Aber wie eigentlich?
Am 9. Januar 2007 erblickte die Öffentlichkeit das Licht des iPhones (Sorry, der Flachwitz musste einfach sein). Und während damit die eine Ära anbrach, ging zeitgleich eine andere zu Ende. Welche? Natürlich die offensichtlichste – das „Haptozän“, das Zeitalter der greifenden Berührung (Ja, wir haben das Forschungsgebiet soeben selbst begründet). Aber zurück zum Thema:
Die Erfindung des Smartphones läutete unaufhaltsam den Niedergang der Knöpfe ein. Tasten, Wippen und Schalter fristen seitdem ein leidlich tristes Dasein als ungeliebte Notwendigkeiten, als Lückenbüßer der Freihandkultur. Ein Designtrend, der beim Smartphone seinen Anfang nahm und bis heute unübersehbar auf fast alle Produkte des täglichen Lebens ausstrahlt – vom Auto bis zur Waschmaschine, vom Fernseher bis zum Küchenmixer. Möglichst unsichtbar sollen sie sein, die ungeliebten Bedienungshelfer, schlank und in den Gehäusekorpus integriert. Ein Absturz ohne Gleichen.
Mag sein, dass Druckknöpfe, Taster, Hebel und Schalter seit jeher schnödes Mittel zum Zweck waren: Die wohl simpelste Form der Schnittstelle. Mensch-Maschine-Interaktion auf Knopfdruck. Und darin liegt die eigentliche Crux des immer Schlankeren: Gibt’s nix mehr zu fühlen, stellt sich das Gehirn stumm: Druckrezeptoren, Sensorik, Afferente Nervenbahnen – alles für die Tonne.

Oder ohne Buzzwords: Wo nix ist, kommt auch nix an. Erste Folge: Autoproduzenten müssen bei ihren digitalen Kommandostationen umdenken. Denn immer mehr Fahrzeughersteller verbauen mittlerweile omnipotente Schmalspur-Tablets in ihren Armaturen. Mit ihnen soll der der Fahrer Klimaanlage, Radio, Telefon und, und, und steuern können. Warum eigentlich?
Weil’s geht natürlich.
Weil aber heutige Displays keinerlei sensorisches Feedback liefern, genügt es nicht, wie bisher mit der Hand den richtigen Schalter, Regler oder Knopf zu erfühlen. „Hab ich jetzt die Taste für die Klimaanlage oder das Radio gedrückt?“ Zack, Kontrollblick weg vom Lenkrad und hin zum Touchscreen – das kann bei 180 Sachen auf der Autobahn schon mal durchaus unangebracht sein. Und das während ein Blick aufs Smartphone mit 60€ geahndet wird – egal ob mit Tempo 30 oder mit 300.
Wohl nicht von ungefähr entwickelt Bosch gerade einen Touchscreen, der Oberflächenstrukturen simuliert, also nur digital vorhandene Tasten real fühlbar machen soll. Oha. Also einen Touchscreen, der sich wie ein Knopf anfühlt. Klingt etwa so wie studieren gehen, um am Ende eine Kneipe aufzumachen. Da hätte man auch beim Schalter bleiben können. Na schau’mer mal. Für Gamer ist das bestimmt ne feine Sache. Aber bitte nur auf dem Parkplatz.

Weiterführende Links:
http://goo.gl/EjkKXt

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