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Elon Musks Cyborgs

Elon Musk Cyborg
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Was sagt es eigentlich aus, wenn ein Milliardär auf einer Konferenz über zukunftsfähiges Regierungshandeln verkündet, dass wir alle Cyborgs werden sollen? Und das auf einer Konferenz, ausgerichtet und veranstaltet von einer Ländergemeinschaft, in der jegliche Opposition von vornherein unerwünscht ist.

Kurznachrichtendienst Twitter schien vor Ehrfurcht zu beben, als Elon Musk verkündete, die Menschheit müsse eine Schnittstelle zu den Maschinen finden, um bloß nicht gegenüber den Computern ins Hintertreffen zu geraten. So geschehen auf dem diesjährigen Word Government Summit, einer von den Vereinigen Arabischen Emiraten ausgerichteten Konferenz über zukunftsorientiertes Regierungshandeln. Vereinigte Arabische Emirate? Zukunftsfähiges Regierungshandeln? Na, Prost Mahlzeit.

Die Zukunft – Bei Feinden zuhause

Seit 2013 richten die Vereinigten Arabischen Emirate, ein loser Zusammenschluss absolut herrschender Scheichs, mit dem World Government Summit eine Konferenz über zukunftsfähige Politik aus, geadelt von prominenten Sprechern wie IWF-Chefin Christine Lagarde oder dem früheren spanischen Regierungschef José Luis Rodríguez Zapatero. Ja, sogar eine Spezialistin für die japanische Kunst des Blumensteckens hat man herbeigeholt; sicher eine Expertin für das enge Verhältnis von Botanik und „Good Governance“. Und eben Elon Musk; seines Zeichens Step-by-Step-Weltraumeroberer, Elektroautopionier und PayPal-Milliardär. Ohne Zweifel, ein Mann mit Visionen – aber auch mit Weitblick?

Plugin Mensch
Deus ex Machina – So ähnlich stellt sich Mr. Musk die Zukunft vor.

Was Musk verkündet hat es in sich: Der Mensch befindet sich am Scheideweg. Während Maschinen immer schneller lernen, stagniert der Mensch beim Zehn-Finger-Schreibmaschinensystem. Nur eine direkte Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine, kann mit der schwindelerregenden Verarbeitungsgeschwindigkeit künstlicher Intelligenz mithalten; sie würde das Kontrollproblem erledigen, das Nützlichkeitsproblem, und überhaupt – KI ist ja ohnehin auf dem Vormarsch. Erstes Opfer: Logistik und Personenbeförderung. Sobald das selbstfahrende Auto etabliert sei, hätten ganze Legionen von Fahrern das Nachsehen. Dann schon lieber gleich mit Plug and Play der Sache entgegengehen!

Darwin vs. Musk

Darf man so etwas eigentlich unkommentiert lassen?
Wenn Milliardäre auf Whitewhashing-Konferenzen verkünden, dass es an der Zeit ist zum Cyborg zu werden, dann sind wir von der Digikalypse wirklich nicht mehr weit entfernt.
Als Millionen von Pferden überflüssig wurden, weil es vom Auto als Trägers des Individualverkehr abgelöst wurde, kam niemand auf die Idee, Räder an die Hufe der Vierbeiner zu schrauben. Zugegeben – er hinkt, der Vergleich. Möglicherweise müssen wir tatsächlich umdenken, Maschinen werden nicht nur intelligenter, sondern auch leistungsfähiger, sie werden den einen die Arbeit ab- und den anderen sogar wegnehmen. Ob die Antwort aber auf den Wandel der Wertschöpfungskette nun tatsächlich „Hirnimplantat“ lautet? Na ick weeß nich.

Matrix
Die Musk-Matrix, endlich noch schöner Daten verarbeiten.

Lassen wir die biologischen Aspekte mal außen vor; ob Synapsen überhaupt imstande wären, terabyteweise Einsen und Nullen zu verarbeiten? Die moderne Medizin tut sich da bislang eher schwer. Und es gibt noch ganz andere Probleme: Wer sieht, was schon heute mit einmal erhobenen Daten geschieht und wie schwierig der Umgang mit sensiblen Daten ist, darf sich durchaus mal fragen, ob Reichtum wirklich die beste Voraussetzung für die Gestaltung gesellschaftlicher Prozesse ist (Trump et al.). Ein Milliardär, der Mars-Terraforming mit Atombomben fordert und es für durchaus denkbar hält, dass die Welt eine gigantische Computersimulation ist, wäre vielleicht besser damit beraten, einfach ein bisschen mehr spazieren zu gehen oder seinen fantastischen Ideen mit etwas Ölkreide auf einer Leinwand Ausdruck zu verleihen.

USBrain
Schöne neue Welt á la Musk?

In einer Welt, in der immer mehr Informationen von immer mehr Individuen in Händen von immer weniger Unternehmen konzentriert werden, in der Regierungen weltweit sogenannte „Full takes“ des gesamten Datenverkehrs im Internet aufzeichnen, dürfte sich eigentlich niemand wünschen, alle Menschen ausnahmslos an ein gigantisches Datentransfernetz anzukoppeln – niemand außer kontrollsüchtigen Soziopathen vielleicht.

Nur mal so nebenher gefragt: Wer überprüft denn eigentlich in Elons lustiger Plug-and-play-Welt, welche Daten wen wie erreichen? Wie werden Daten übertragen? Per Funk? Mit Hochleistungsantennen in lebendem Gewebe? Vermutlich keine gute Idee.
Wer hütet die Daten vor Manipulation? Wer hütet den Empfänger vor Manipulation? Und wie kann der Empfänger über die Güte der empfangenen Daten entscheiden? Fragen, die mehr sind als ästhetische Hirnchirurgie.

Thanks buddy, better go to Mars.

Visionäre sind für den Fortschritt unverzichtbar, keine Frage. Aber ob alle ihre Ideen so gut sind? Das steht dann wohl auf einem anderen Blatt. Sogar Steve Jobs hat nicht alles zu Gold verwandelt.

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