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Diversifikation, das A und O der Allmacht? Bereits am vergangenen Freitag erreichte uns die Nachricht, dass man in Mountain View den Weg zu einem eigenen Smartphone-Chip freigemacht hat. Ursprünglich handelte es sich dem Anschein nach um einen Prozessor für professionelle Anwender, der jetzt zu einem vollwertigen Allround-SoC aufgebohrt werden soll. Google steht demnach bereits seit einigen Monaten mit etablierten Chipherstellern in engem Kontakt, um nach bester Apple-Manier einen Chip nach eigenen Spezifikationen zu realisieren. Ein unerwarteter Schritt – oder? Google ist mittlerweile bekannt dafür, neue Technologiefelder im Galopp zu erschließen und notfalls eigene Entwicklungsabteilungen von heute auf morgen aus dem Boden zu stampfen.

Ein eigener Chip – Meilenstein oder Marketing-Gag?
Allein die Nachricht selbst beschert Google jede Menge Gratis-Publicity. Der eigentliche Informationswert dürfte vor allem für die Herstellerwelt von Bedeutung sein. Denn zweifellos, mit dem Schritt ins Hardware-Portfolio werden sich die beiden ganz großen Rivalen auf dem Weltmarkt nun auch im „Kernbereich“ der Smartphone-Entwicklung immer ähnlicher.
Während Apple seit jeher eifersüchtig die gesamte Produktionskette seines iPhones überwacht, begnügte sich der Suchmaschinenriese bislang mit der Dominanz seines Betriebssystems auf den internationalen Märkten. Die Nexus-Reihe diente dabei vor allem als eine Art Schaufensterartikel, als Musterbeispiel der Reduktion auf das Wesentliche. Die eigentliche Hardwaredistribution auf dem Markt für die Massen übernahmen und übernehmen bis heute die üblichen Verdächtigen, Unternehmen wie Samsung, HTC, Sony oder chinesische Hersteller wie Huawei, Meizu und Xiaomi, die zunehmend mit Kampfpreisen für Top-Ausstattung aggressiv auf den Weltmarkt drängen.

Was nun folgen könnte, wäre nicht weniger als eine vollkommene Umwälzung der bekannten Verhältnisse, aber der Reihe nach.
Mit einer engeren Verzahnung von Hardware und Software wäre Google zunächst mal in der Lage das Zusammenspiel aller Komponenten noch besser aufeinander abzustimmen – ein Argument, das auch Apple-Jünger gern als Argument zur Rechtfertigung für die hohen iPhone-Preise anführen. Bislang spielt Google mit Android grundsätzlich über Bande: Hauseigenes Betriebssystem, Chip von MediaTek, Qualcomm, Samsung etc. und alle weiteren Komponenten als bunte Melange asiatischer Ingenieurskunst.

Wie könnte die Zukunft mit einem hauseigenen Google-Chip aussehen? Monokultur von der Wiege bis zur Bahre? Ein Abgeschlossener Markt wie beim großen Konkurrenten?
Denkbar, aber eher nicht wirklich realistisch. Viel zu groß ist der gewachsene Markt. Google dürfte die breite Masse wie gewohnt mit Android-Geräten beliefern, aber sein Portfolio um eine Premium-Komponente erweitert: Ein High-End-Android gewissermaßen, das allein im Zusammenspiel mit dem eigenen Chip maximale Performance entwickelt und vielleicht sogar zusätzliche Funktionen bietet – auf die Nutzer anderer Chips verzichten müssten. Eine so umgesetzte Strategie müsste nicht zwangsläufig in eine Zwei-Klassen-Gesellschaft münden, aber doch für einen stärkeren Fokus auf zahlungskräftige Kundschaft.
Allein, dass Google auf das lukrative Premiumsegment abzielt, dürfte niemanden verwundern. Bis es soweit ist, dürfte noch einige Zeit vergehen. Aber wenigstens bei den genannten Chip-Produzenten dürfte so mancher Manager die Ohren gespitzt haben.

Weiterführender Link:
http://goo.gl/BHvGwk

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