Startseite Entertainment Von Illinois nach Hongkong – Ist das iPhone bald ein Moto?

Von Illinois nach Hongkong – Ist das iPhone bald ein Moto?

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China! Reich der Mitte. Riesiges Wachstum, gewaltige Städte, unersättliche Märkte. Und fragwürdige Produktionsmethoden, Manchesterkapitalismus, Aufrüstung und Ein-Parteien-Monopol.

Monopol ist ein gutes Stichwort. Dafür haben Großkonzerne ohnehin immer ein Faible. Macht ja auch Sinn. Je geringer die Konkurrenz, desto artiger die Kundschaft. Kein Wunder also, dass sich auch Chinas Hersteller anschicken, den globalen Handymarkt zu dominieren.
Der vielleicht unauffälligste Big Player in der Runde ist Lenovo, bisher vor allem bekannt als PC-Hersteller. 2004 übernahm der an der Hongkonger Börse notierte Massenhersteller die ins Straucheln geratene Computersparte vom Traditionshersteller IBM – und führte sie geradewegs zur Weltmarktführerschaft. Seinen Erfolg verdankt Lenovo vor allem seiner Office-Sparte. Thinkpads werkeln heute in Büros, Laboratorien und Werkshallen auf dem gesamten Globus. Seit 2012 verkauft das chinesische Vorzeigeunternehmen mehr Laptops und Desktop-PCs als jeder andere Hersteller.

Anfang 2014 kaufte Lenovo dann Amerikas traditionsreichsten Elektronikhersteller Motorola. Und obwohl ein Großteil der Unternehmenspatente beim vorherigen Eigner Google verblieben, scheint sich der Deal (2,9 Mrd. US-Dollar) bereits auszuzahlen. Schon 2014 konnte Chinas Vorzeige-Company steigende Absatzzahlen ihrer eigenen Smartphone-Sparte vermelden – sicher auch eine Vertrauensdividende, mit dem Renommee von Motorola als Fundament.
Motorola blieb als Marke bestehen. Logisch, ohne die Patente war kaum etwas so wertvoll am Unternehmen wie sein traditionsaufgeladener Name. Den beabsichtigt Lenovo jetzt offensiv zu einzusetzen.

Denn wenn Chinas Hersteller ein Problem haben, dann ist es nicht die Qualität ihrer Produkte – es ist das fehlende Vertrauen westlicher Käuferschichten. Und hier hat Lenovo bereits jetzt einen entscheidenden Vorteil gegenüber Xiaomi, Meizu, ZTE, Huawei und all den anderen (ja, es gibt noch mehr – deutlich mehr!): Eine Marke, die Vertrauen stiftet. Das gilt für den wichtigen US-Markt noch mehr als für Europa. Lenovo setzt dabei auf einen Trend, den wir in der jüngsten Vergangenheit bei vielen Herstellern beobachten. Während der Markt für teure Premium-Phones weitestgehend gesättigt ist, bieten Mittelklasse- und Niedrigpreisgeräte noch großartige Chancen zur Positionierung. Die Billigsparte bedient Lenovo als Eigenmarke, hier geht es vor allem um die rasant wachsenden Schwellenmärkte. Über die üblichen Vertriebskanäle sind Lenovo-Smartphones deshalb in Europa nicht erhältlich.

Die preisgünstige Mittelklasse mit „Android pur“ und deutlicher Ausrichtung auf westliche Märkte hingegen ist Motorolas Spielwiese, so berichtet das Handelsblatt. Hier sind auch in Zukunft die wegweisenden Neuvorstellungen zu erwarten – wie etwa Motorolas neueste Generation der Smartwatch Moto 360. Angeblich zeigen sich bereits erste positive Effekte der Verschmelzung. Know-How von Motorola gegen Herstellerkompetenz von Lenovo.

Und die Aussichten? Nicht mal schlecht. Samsung muss erstmal wieder auf die Füße kommen und Apples Stern strahlt zwar noch, doch er zeigt erste Anzeichen von Blässe. Chinas Early Birds Huawei und Xiaomi dagegen heimsen zwar vorzügliche Rezensionen für ihre Geräte ein – Gewinn macht man aber mit Verkäufen. Wie schwierig der Eintritt in einen gesättigten Markt mit misstrauischen Käufern ist, scheint man bei Chinas Großen bereits zu ahnen. Xiaomi plant zwar eigene Stores nach Europa zu bringen. Dort Smartphones zu verkaufen, traut man sich aber in absehbarer Zeit nicht.

Das könnte am Ende Lenovos großer Vorteil sein. Stillhalten und den Markt dann aufrollen, wenn keiner damit rechnet. Davon verstehen sie etwas.

Quellen:
http://goo.gl/Y9SIs0
http://goo.gl/pbqO1E
http://goo.gl/nwxvlL

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