Startseite Entertainment One Watch to rule them all?

One Watch to rule them all?

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„Bahnbrechend!“
„Revolutionär!“
„Einzigartig!“
Der ganze übliche Begeisterungssturm, der immer, ja wirklich immer losbrach, sobald Apple ein neues Produkt auf den Markt warf – diesmal ist er ausgeblieben. Zu hakelig die Bedienung, zu eingeschränkt die Funktionsvielfalt und zu teuer allemal. Die Rede ist natürlich von der Apple Watch.

Aber erstmal kurz die Fakten: Frische Zahlen sind auf dem Markt, und sie sind dann doch immer noch eher durchwachsen – jedenfalls für den iPhone-Konzern, der wohl mehr als jedes andere Unternehmen des vergangenen Jahrzehnts das Prädikat „erfolgsverwöhnt“ verdient. Sicher, auf die Perspektive kommt es an. Ende April, also kurz nach Beginn der Auslieferung, konnte Apple innerhalb eines Tages mehr Watches absetzen (957.000 Stück) als alle anderen Hersteller zusammen in einem Jahr. Klingt erstmal beeindruckend. Aber das schließt eben auch alle Ungeduldigen, die Early Adopter, die Renommee-Käufer mit ein – und die haben ihren Bedarf nun erstmal gedeckt.
Analysten korrigieren ihre Absatzprognosen nun schon deutlich nach unten. Mehr als 15 Millionen Watches dürfte Apple nach Einschätzung von Branchenkennern 2015 nicht absetzen. Geplant waren ursprünglich 30 Millionen oder mehr. Zugegebenermaßen, angesichts einer Preispolitik, bei der man für den Einstieg in ein schickeres Leben minimal 400 US-$ entrichtet, bleibt auch bei „überschaubaren“ 15 Millionen Einheiten sicher der eine oder andere Cent in Cupertino hängen, aber dem Anspruch des digitalen Revolutionärs dürfte das kaum genügen.
Nach wie vor steht Apple für Produkte, die auf Käufer die gleiche Anziehungskraft ausüben wie Wasser auf den Verdurstenden – das iPhone 6 dominiert den Smartphone-Markt mit beeindruckender Konstanz, und auch das iPad macht keine so schlechte Figur, wenn die Zahlen auch ein wenig gesunken sind.

Einzig die Apple Watch krankt am Widerspruch von Anspruch und Wirklichkeit. Nicht weniger als die erste „echte“ Smartwatch wollte Apple auf den Markt bringen und damit ein neues Zeitalter der technologischer Selbstverständlichkeit einläuten – durch die Verbindung mit klassischen Alltags-Accessoires hin zu einer digitalen Permanenz. Gemessen daran ist die bisherige Entwicklung tatsächlich eher mau. Aber woran liegt’s?
Nun, da dürften mehrere Gründe zusammenspielen. Ein nicht unwesentlicher Faktor dürfte der Preis sein. Zündete das Apple-Prinzip der Überzeugung durch Distinktion bislang immer, so ist der hohe Preis der Apple Watch eher ein Hindernis. Denn für die meisten Smartwatch-Nutzer ist eine Smartwatch eben vor allem genau das: Eine smarte Uhr. Und hier waren bereits andere Anbieter am Markt, und nicht selten mit mindestens ebenso überzeugenden Ergebnissen, wenn nicht sogar besseren, und das dann doch deutlich billiger. Die weit schlimmere Wahrheit aber ist: Apple hat den Markt falsch eingeschätzt. Die 80er sind vorbei. Mit einer Uhr, die auf Eingaben reagiert, kann man auf dem Schulhof vielleicht noch beeindrucken, aber umhauen? Eher nicht.
Die wirkliche Herausforderung der Smartwatch ist es, das Smartphone zu beerben. Gelingt das nicht, wird sie ein hübsches Accessoire bleiben. Nett, aber verzichtbar.
Denn wie sagt ein schöner Spruch: „Der größte Feind des Guten ist das Bessere.“

Weiterführende Links:
http://goo.gl/Bu7s80
http://goo.gl/zOBBLO
http://goo.gl/BgvLix
http://goo.gl/jZbNKS
http://goo.gl/tueIyW

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