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Re:publica TEN – Das digitale Klassentreffen

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Es ist mittlerweile DAS Event der Netzgemeinde in Deutschland – die Re:publica. Wohl kein anderer Kongress liefert einen so konzisen Überblick aus Wissenschaft & Forschung, aus Journalismus, Bloggerszene und alternativem Lifestyle zu aktuellen Themen rund um Digitalisierung und Gesellschaft.

Bei der grandiosen Einführung am Montag in der randvollen Stage 1 begrüßten die Organisatoren nun schon zum zehnten Mal die versammelte Netzgemeinde. Zehn Jahre – ein guter Zeitpunkt, um auch an die bescheidenen Anfänge der Re:publica mit gerade 700 Teilnehmern zu erinnern – die ohne mobiles Internet auskommen mussten. Heute verbucht das „Klassentreffen der digitalen Szene“ mehr als 8000 Besucher und darf getrost als Epizentrum der deutschsprachigen Tech-Society-Szene bezeichnet werden.

RPTENStandesgemäß wartete die Re:publica TEN mit hochkarätigen Sprechern auf. Neben Vertretern aus Wissenschaft, Forschung, Politik und Journalismus kamen natürlich Blogger und Techniker zu Wort. Wir haben exklusiv ein paar Inhalte und Eindrücke für Euch gesammelt:

5G – Surfen mit Highspeed ab 2020

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Echter Hingucker – Ein Textroboter, der unermüdlich vom ersten bis zum letzten Tag durchsprühte.

Keine Frage – für uns als Handyspezialisten ist natürlich kaum etwas so spannend wie die nächsten Schritte zum mobilen Highspeed-Internet. Prima also, dass schon am ersten Tag ein Panel zur „5G-Stadt“ auf uns wartete: Zunächst mal die „schlechte“ Nachricht: 5G lässt wohl noch auf sich warten, hier fehlt es noch an der berüchtigten Glasfaser. Provider und Wissenschaft fordern nach wie vor mehr Einsatz der Politik zur Anbindung der notwendigen Technologie für WIFI und Mobilfunknetz. Übrigens. Im Vorjahr konnten mit 1 GBit/s erst 50cm überbrückt werden, dieses Jahr sind es bereits 7m. Na immerhin. Tröstlich: Mit Marktreife und Einführung ist wohl trotzdem ab 2020 zu rechnen.

Ein Bild sagt mehr als Tausend Worte – Snapchat

Klar, dass wir uns auch ein Panel namens „Snapchat für Erwachsene“ nicht entgehen lassen konnten. Ein grandioser Moment, als App-Experte Joshua per Einspieler und Skype geschätzten 600 Zuschauern die nächste große Kommunikationsrevolution erklärte. Fazit: Schreiben war gestern, das Morgen gehört dem Knipsen.

Infrastruktur und Big Data

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Gut besucht – Rund 8000 Besucher waren in diesem Jahr auf der Re:publika TEN.

„Big Data“ – also gigantische Datenströme – davon reden ja heutzutage fast alle. Wir haben uns am Beispiel „Big Data for a Public Good“ erklären lassen, wie gigantische Datenströme in Nairobi genutzt werden um Verkehrsflüsse zu optimieren – und wie der offene Umgang mit Daten dazu beiträgt, aktuelle Forschungsergebnisse einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, etwa in der Astronomie. Spannend: Mittlerweile bekommen nicht nur wir immer schneller immer brillantere Bilder aus der Raumfahrt – wir können auch selbst zur Erforschung des Himmels beitragen – etwa durch Apps zur Lichtmessung, Stichwort „Das Verschwinden der Nacht“.

Wie sicher ist sicher?

Wie in jedem Jahr spielt der Schutz der persönlichen Daten eine immense Rolle. Trotz immer neuer Enthüllungen über NSA, GCHQ, BND-Trojaner und anlasslose Massenüberwachung sieht Sicherheitsforscherin Kate Crawford in „Know your terrorist credit score!“ eine bei Weitem zu geringe Teilhabe der Gesellschaft an den aktuellen Entwicklungen. Die Diskussion wird nach wie vor nur innerhalb der Verursacherkreise geführt (Politik, Sicherheitsapparat, Juristen), was es aber tatsächlich braucht, ist eine breite gesellschaftliche Debatte – denn die tiefgreifenden Veränderungen durch Politik und Sicherheitsapparat sollten niemanden kalt lassen. Crawford kritisiert die Erschaffung digitaler Alter Egos, die von künstlichen Intelligenzen genutzt werden, um abstrakte Modelle zu entwerfen, die mehr und mehr unseren Alltag beeinflussen, ohne dass wir davon wissen. Für sie gilt es als ausgemacht, dass wir alle heute nicht nur digital erfasst, sondern auch kategorisiert und mit einem „Terror Credit Score“ bewertet werden.

Ein Highlight jeder Re:publika bildet Sascha Lobos fantastischer Rundumschlag, in diesem Jahr unter dem Titel „The Age of Trotzdem“ – eine kompromisslose Forderung nach mehr Partizipation statt Resignation – nach mehr Internet statt weniger – und mehr Engagement statt Einknicken. Sehr zu empfehlen!

Theoreme und Theorien

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Virtual Reality – Auch auf der Re:publika TEN ein großes Thema.

Natürlich kommt auf der Re:Publica auch der wissenschaftliche Diskurs nicht zu kurz – Richard Sennett stellte in „The City as an Open System“ vor, welche Auswirkungen die Digitalisierung, die Erfindung der „Smart City“ auf das Zusammenleben in Städten hat. Für ihn spricht Vieles dafür, dass die digitale Revolution keine Smart Cities entstehen lässt, sondern vor allem homogene Vertriebskanäle produziert, durch die immer weniger Produkte von immer weniger Anbietern für eine immer kleiner werdende statische Oberschicht gefertigt werden, während die wirkliche Berührungspunkte zwischen Arm und Reich verschwinden: Eine Entropie der Ungerechtigkeit.

Aus der Praxis

Und auch das Thema Online-Sicherheit spielt wie in jedem Jahr eine bedeutende Rolle. Die Netzspezialisten Frank Rieger und Thorsten Schröder demonstrierten unter dem Schlagwort „Adwars“ mit einfachsten Mitteln, wie es gelingt mit einem einfachen Werbebanner die Kontrolle über einen beliebigen PC zu übernehmen. Zu viel und vor allem unkontrollierte Javascript-Reklame zirkuliert derzeit durchs Netz. Hintergrund: Moderne Browser sind heute Standalone-Betriebssysteme mit Extensions, die keinen Audits unterliegen. Sie werden per Javascript-Malware von Hackern missbraucht. Die Ad-Networks kontrollieren die Banner nicht, und die Haftung liegt beim Seitenbetreiber. Immer häufiger verteilen darum auch renommierte Anbieter Malware, die Smartphones oder Desktoprechner sperren und den Zugang per Payment erzwingen.

Mehr und bessere Geschichten aus dem digitalen Wald

Einen Auftritt der besonderen Art hatte die feministische Bloggerin Laurie Penny, die aus der ganzen Bandbreite des digitalen Geschichtenerzählens schöpfte und wie bei ihrem Auftritt 2014 nicht nur mit tiefstem Nerdwissen glänzte, sondern auch einen eindrucksvollen Blick auf das Phänomen „Fan Fiction“ warf – also Geschichten, die von Fans verfasst und publiziert werden, die ihre Abenteuer im Star-Trek-Universum, der Star-Wars-Welt oder in der Mystery-Sagen von Harry Potter stattfinden lassen. Nur selten bekommt man wohl einen so charmanten Blick auf die klassischen Erzählmuster und neue Gender-Interpretationen wie bei Laurie Penny.

Und, und, und.

Es gäbe noch so viel mehr zu erzählen – von Robotern und ihrem Einfluss auf die Welt, von politischer Satire in Afrika, von Hatespeech und Integration, von Limo und Burgern, seltsamen Brillen, Schottenröcken und Kamerahelmen – die Re:publica ist und bleibt wirklich das Klassentreffen auf der Spielwiese. Es hat sich gelohnt – ja, mehr als das – es war ein Fest. Wir kommen wieder!

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