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Gear S3: Tolle Krönung

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Neues aus dem Königshause Samsung: Der südkoreanische Konzern hatte einen Teil seiner Untertanen zu einem exklusiven Event im Tempodrom in Berlin eingeladen. Im Vorfeld der IFA sollte die Welt noch ein neues Gerät zu sehen bekommen. Und Samsung hatte viel zu bieten: eine volle Halle, grenzenloses Selbstbewusstsein, eine perfekte Inszenierung und einen kleinen Hieb in Richtung Konkurrenz.  

Ein Global Player wie Samsung lässt sich für die Präsentation eines neuen Gerätes natürlich nicht lumpen und fährt alles auf, was die Techniker des Berliner Tempodroms zu bieten hatten. Etliche Kisten mit Lichttechnik, Kabel und Boxen, die gleich bis zum Anschlag aufgedreht wurden durften nicht fehlen. Um das Publikum so richtig auf einen spannenden Abend einzustimmen, wurden am Eingang VIP-Armbänder aus Knicklichtern verteilt. Diese zeigten den breitschultrigen Security-Anzügen und Hostessen auf den ersten Blick, wer die Gear S3 aus der Nähe betrachten durfte und wer dessen nicht würdig war.

Die Präsentation der Samsung Gear S3

Nachdem das Publikum ungefähr eine dreiviertel Stunde auf eine stilisierte tickende Uhr gestarrt hatte und dabei vom immer gleichen Song aus belanglosem Piano-Geklimper und Streichern eingestimmt wurde, folgte das große Erwachen. Blitzartig erschienen Formen und Farben auf den Bildschirmen und tanzten auf der zylinderförmigen Projektionsfläche, die die Bühne umhüllte wie ein goldener Käfig. Der Boden wackelte und die Menge starrte gebannt auf…ihr Handy.

Hunderte Hände erhoben sich, um das Happening zu fotografieren, auch wenn eigentlich noch gar nichts zu sehen war. Trotzdem musste die Welt via Facebook darüber informiert werden, dass man die goldene Eintrittskarte zur Gear-Präsentation bekommen hatte. Damit gehörte man ja quasi zu den VIPs.

Wer es schaffte durch den Smartphone-Wald zu schauen, erblickte Samsungs Marketingchefin Younghee Lee, die für die erste bedeutungsschwangere Ansprache auf die Bühne trat. Sie wählte belanglose Worte, denen sie mit viel zu vielen Kunstpausen Ausdruck zu verleihen versuchte und ihre Rede so nur unerträglich in die Länge zog. Der Tenor: Samsung hat uns die Lösung all unserer Probleme beschert und wird unser Leben besser machen. Wer hätte das erwartet?

Samsung-Präsentation im Tempodrom

Kleine Frau auf großer Bühne: Younghee Lee sprach zu Beginn vom Wert einer Smartwatch.

Yippie, sie sieht aus wie eine Uhr!

Natürlich ist die Smartwatch nicht nur eine technische Unterstützung, sondern dient auch dem Ausdruck der eigenen Persönlichkeit. Wer sich zum Ausdruck seiner Persönlichkeit eine Uhr kauft, muss bei Samsung bereit sein, knappe 400 Euro auszugeben. Trotzdem ist diese Uhr viel besser als die Modelle der Konkurrenz, betonte Lee und konnte sich dabei einen kleinen Hieb auf Apple nicht verkneifen. Die Samsung Gear S3 sei ein Ring der unendlichen Möglichkeiten und kein Quadrat, das den Nutzer in einer Box einschränkt.

Damit war dann wohl die viereckige Apple-Watch gemeint. Würde dieses Gleichnis tatsächlich ein Bild im Kopf ergeben, hätte das Publikum treu ergeben geklatscht und gekünstelt über diese außergewöhnlich einfallsreiche Äußerung gelacht. Im Nachgang ging es Lee vor allem darum, zu betonen, dass die Uhr auch tatsächlich wie eine Uhr aussieht. Zum Glück wurde das hin und wieder erwähnt, schließlich wurden pro Minute nur knapp 20 verschiedene Bilder der Gear S3 auf den Bildschirmen gezeigt. Da konnte einem dieses Detail schon entgehen.

Viel Wind um das Design

Fors und Adams

Adam Fors und Ariel Adams präsentieren die Gear S3.

Wer glaubte, dass es nach Lee nicht schlimmer kommen konnte, hatte Samsung weit unterschätzt. Denn anschließend übernahm der neue Hofnarr des Konzerns die Moderation. Ariel Adams ist Blogger und sitzt sonst selbst unten beim Pöbel und schaut zur Bühne auf. Diesmal durfte er selbst ran und mit Samsungs Kronprinzen und den Künstlern des Hofes von der Gear S3 schwärmen.  Dabei ließ er natürlich keine Gelegenheit aus zu betonen, wie toll die Smartwatch ist. Im Gespräch mit Adam Fors, Marketingchef bei Samsung Electronics Nordic, wurde dann noch einmal betont, dass sie aussieht und sich anfühlt wie eine Uhr, indem sie Tradition und Technologie vereint.

Wem das noch nicht zum Halse raushing, der klatschte als hätten die Südkoreaner soeben die Rettung der Welt verkündet. Alle Anwesenden wiederholten immer wieder das gleiche Mantra: Tolle Uhr mit tollem Design. Adams ergänzte das Ganze dann mit einem: „Es ist wirklich sehr cool.“

Die Vorleser präsentieren die Gear S3

Wer das noch immer nicht verstanden hatte, konnte auf dem Teleprompter, den die Herren benutzten, jedes Kompliment und jeden Lacher sicherheitshalber noch einmal nachlesen. Der einzige, der frei sprechen konnte, war der Künstler Arik Levy, der die Armbänder und Interfaces designt hat – Hilfsarbeiten. Den wahren Künstlern servierte Samsung ihren Text auf gleich vier Tabletts, die vor den Zuschauerrängen verteilt waren. So konnten sie auch hin und wieder herablassend den Untertanen zulächeln.

Die später noch die Ehre hatten, das Gerät anfassen zu dürfen, hatten sicher Mühe, nicht den Freudentränen nah zu sein. Denn eine derartig fabulöse Veranstaltung hatten wohl die wenigstens je erlebt. Der Rest durfte bei Sekt und Häppchen darüber sinnieren, welche Ideen Samsung noch haben wird, um unser Leben schöner zu machen. Es bleibt die Erinnerung an eine wirklich gelungene Krönung, in der die Südkoreaner uns glücklicherweise nicht mit technischen Details langweilten.

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